Nach dieser Begrüßung durch den EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gefror dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban das Lächeln.
Brüssel. "Hallo, Diktator" - mit diesen Worten hat EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker den ungarischen Regierungschef Viktor Orban zum Beginn des zweiten Tages des EU-Gipfels zur Ostpartnerschaft in Riga begrüßt.
Bester Laune empfing Juncker die Teilnehmer des Treffens am Freitag in der lettischen Hauptstadt und erlaubte sich dabei die launige Bemerkung gegenüber dem rechtskonservativen Politiker Orban, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Orban wiederum bewahrte sein Lächeln. Lettlands verdutzt dreinschauende Ministerpräsidentin Laimdota Straujuma sah dann, dass Juncker und Orban wohl häufiger so locker miteinander umgehen. Juncker wiederholte das Wort "Diktator" noch einmal - beim Handschlag. Orban wiederum begrüßte Juncker, wie offenbar üblich, mit "Großherzog".
Orban hat die EU in den vergangenen Jahren immer wieder provoziert. Jüngst sorgte er bei einer Debatte im Europaparlament für Wirbel, als er ein Quotensystem für die Verteilung von Flüchtlingen als "Wahnsinn" kritisierte. Zugleich beharrte er darauf, in Ungarn eine Debatte über die Wiedereinführung der Todesstrafe führen zu dürfen. Dies brachte ihm harsche Kritik aus allen maßgeblichen Fraktionen ein.
Breite Kritik
Kritiker werfen Orban vor allem wegen Reformen in Justiz und Medien eine antidemokratische Politik und die Einschränkung der Bürgerrechte vor. Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit hatte Orban einst im EU-Parlament entgegengehalten, er sei auf dem besten Weg, ein "europäischer Hugo Chavez" zu werden.
Orban und Juncker gehören beide der Europäischen Volkspartei (EVP) an. Der ungarische Regierungschef zählte nach der Europawahl im Mai 2014 dennoch zu den Wortführern der Gegner einer Nominierung Junckers zum EU-Kommissionspräsidenten, die von einer überwältigenden Mehrheit der Mitgliedsstaaten sowie von sozialdemokratischen, christdemokratischen und liberalen Politikern mitgetragen wurde.
Bester Laune
EU-Kommissionspräsident Juncker zog beim EU-Ostpartnerschaftsgipfel im lettischen Riga generell vom Leder. Ein bisschen Spaß muss sein, lautete anscheinend das Motto. So wurde auch der wie gewohnt ohne Krawatte angereiste griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras von dem Luxemburger mit einem Scherz bedacht. Ungeachtet aller griechischen Probleme machte sich Juncker vor den Fotografen einen Jux und hielt Tsipras seine Krawatte vor den Anzug. Zu sehen war auch, wie Juncker den österreichischen EU-Kommissar Johannes Hahn an dessen Krawatte zu sich zog. Andere Staats- und Regierungschefs bekamen freundliche Schläge auf Schulter, Rücken oder sogar angedeutete Ohrfeigen verpasst.
(AFP)