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Wie weit fährt das Elektroauto?

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(c) Die Presse - Clemens Fabry
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Prognose. Das EU-Projekt Improve will die Reichweite von Elektrofahrzeugen genauer vorhersagen. Ermöglichen soll dies die Auswertung von Daten aus den Fahrzeugen.

Das Klischee von Elektroautos besagt, dass sie einen zu begrenzten Einsatzradius haben. Stimmt das? „Es ist weniger die Reichweite, sondern eher die Vorhersagbarkeit, die von Kunden als Hindernis wahrgenommen wird“, sagt Bernhard Brandstätter vom Kompetenzzentrum Virtuelles Fahrzeug (VIF) an der TU Graz. Die Reichweite von Elektrofahrzeugen fluktuiere stark und sei von verschiedensten Faktoren abhängig, etwa von den Straßenverhältnissen, vom Verkehrsaufkommen, aber auch von der Fahrweise des Lenkers. Faktoren, die bisher nicht berücksichtigt werden und zu Verunsicherung führen. Die Reichweitenvorhersage zu verbessern ist eines der Ziele von Improve, einem EU-Projekt des VIF, das Brandstätter leitet.

„Wir verfolgen mehrere Ansätze“, erklärt Brandstätter. „Einerseits gibt es einiges an Energie in Elektroautos, die bisher nicht genutzt wird. Bei der Nutzung von Bremsenergie gibt es noch Potenzial, auch bei der Heizung.“ Elektroautos erzeugen weniger Abwärme als Autos mit Verbrennungsmotor, eigentlich ein Vorteil, doch diese Wärme fehlt beim Heizen. Hier ist eine Klimaanlage günstiger, weil es sich dabei im Prinzip um eine Wärmepumpe handelt. 100 Kilometer Reichweite nach 20-minütiger Ladezeit sollen so möglich sein.

 

Fahrzeugflotten für Firmen

Der zentrale Punkt bei Improve ist aber nicht die Verbesserung einzelner Komponenten, sondern ein intensiver Informationstausch zwischen Fahrzeug, Fahrer und Zentrale. Man legt dabei den Fokus auf Flotten von Elektrofahrzeugen für Unternehmen. Die Fahrzeuge sammeln Informationen zu Verkehrsdichte, Wetter oder auch die Fahrgewohnheiten des Lenkers und tauschen sie mit einem zentralen Server aus. „Ein Optimierungsalgorithmus wertet alles aus und berechnet die perfekte Route für jedes Fahrzeug.“

Ein ebenso interessantes wie sensibles Thema ist das Erstellen von Profilen einzelner Fahrer. Wer leert den Akku seines Fahrzeugs schneller, wer kommt weiter? Hier gebe es rechtlich noch Unklarheiten, so Brandstätter. Weniger problematisch sind Anreizsysteme: „Der Fahrer soll Anreize haben, sparsames Fahren zu lernen. Das kann spielerisch gehen, mit Highscores. „Manche Unternehmen schaffen mittels Schulungen eine Ersparnis von 30 Prozent“, so Brandstätter.

Zu Projektende im Juli 2016 wird dann ein Fahrzeug gebaut, basierend auf einem Fiat Doblo, das bereit für eine limitierte Serienproduktion sein soll. Interesse dafür gibt es von Paketzustelldiensten und Kommunen. Das Projekt ist Teil des Siebten Rahmenprogramms der EU, mit einem Fördervolumen von 4,9 Millionen Euro. Partner sind unter anderem Continental, Fraunhofer, Tofas und Siemens. (rk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2015)