Warum Gold derzeit zu viel kostet, US-Banken Stress verursachen und Daimler eine kleine Spekulationssünde wert ist.
Gold ist in den vergangenen Tagen deutlich teurer geworden und notiert jetzt wieder über der 900-Dollar-Grenze. Aus dem von vielen Analysten prophezeiten Absturz auf 800 Dollar ist es zumindest vorläufig nichts geworden. Und damit auch nicht mit der Chance auf einen günstigen Einstieg.
Denn bei Preisen jenseits von 900 Dollar sollte man zumindest derzeit nicht zuschlagen. Die bei jedem kleinen Höhenflug der letzten Monate veröffentlichten Prognosen, die das Edelmetall nach der Devise „Wer bietet mehr“ kurzfristig bei 1200, 1500 oder noch mehr Dollar pro Feinunze sahen, haben bisher nämlich ziemlich danebengelegen. Und sie werden es auch diesmal tun.
Denn der Preis des Edelmetalls wird nicht nur von Spekulation, sondern in hohem Ausmaß von echter Nachfrage nach physischem Gold(etwa durch die Schmuckindustrie oder durch Notenbanken) bestimmt. Und da hat sich gezeigt, dass offenbar eine Decke zwischen 950 und 1000 Dollar eingezogen ist. Sobald der Goldpreis in diese Region vordringt, bricht die Nachfrage schlagartig ab – und der Preis geht wieder nach Süden.
Der jetzige Anstieg über 900 Dollar ist den Chinesen zu danken. Die dortige Nationalbank hat die Goldreserven aufgestockt. Und da werden dann eben nicht Feinunzen, sondern Tonnen geordert. Konkret soll China seine Goldreserven auf 1054 metrische Tonnen verdoppelt haben. Wenn das stimmt, dann waren die jüngsten Preisanstiege sogar relativ schwach.
Die Finanzbranche scheint jedenfalls nicht an einen weiteren kurzfristigen Ausbruch nach oben zu glauben. Denn Goldminenaktien blieben ganz klar hinter der Entwicklung des Goldpreises zurück.
Wer also vorhat, sich gegen die in einigen Jahren zu erwartende kräftige Inflation mit ein wenig physischem Gold abzusichern, sollte auf den nächsten Schwächeanfall warten und den derzeitigen Preisanstieg ignorieren. Auf diesem Preisniveau ist kein Blumentopf zu gewinnen, zumal gerade bei physischem Gold (und nur das ist eine wirkliche Krisenwährung) der fehlenden Verzinsung auch noch hohe Ankaufs-Verkaufs-Spreads und Lagergebühren gegenüberstehen.
„Papiergold“, also Minenaktien, Goldzertifikate und Ähnliches, ist in einem solchen Umfeld auch kein Brüller als Investment. Da gibt es an den Börsen bessere Gelegenheiten.
Dort, an den Börsen nämlich, herrscht derzeit ein bisschen Nervosität: Am 4. Mai werden die USA die Ergebnisse ihres Bankenstresstestsveröffentlichen. Und das wird ganz entscheidend für die weitere Entwicklung der Kurse, nicht nur jener der Bankaktien.
Wer Aktien hat oder solche zu kaufen beabsichtigt, sollte bis zu diesem Tag die Lage etwas aufmerksamer als sonst beobachten. Und bei schlechten Nachrichten rasch reagieren. Sie wissen schon: Große Verluste kann man an der Börse nur vermeiden, wenn man kleine akzeptiert. Auf Year-to-date-Basis sollten Aktionäre aber ohnehin im Plus sein, womit man in diesem Fall Gewinne realisieren sollte.
Es gibt freilich immer mehr Experten, die sich von den Stresstests wenig erwarten. Das Ganze sei eine „politische Show“, wird in New York kolportiert. Mit der (für einige Banken wie etwa die Citigroup wahrscheinlich ziemlich bitteren) Wahrheit werde man nicht herausrücken. Schließlich können die USA derzeit alles andere brauchen als neue Großbankenpleiten oder Rettungsaktionen.
In Deutschland ist in der kommenden Woche ein richtiger Quartalsberichtsreigen angesagt. Da wird der Dienstag spannend, wenn Daimler seine Zahlen vorlegt. Die Autobranche ist zwar derzeit für Aktienanleger nicht wirklich „sexy“, aber Daimler könnte eine kleine Spekulationssünde wert sein. Konzernchef Zetsche wird gleichzeitig mit heftigen Verlusten der Nobelmarke Mercedes wahrscheinlich ein striktes Sparprogramm verkünden. In diesem Fall würde die Autoaktie, die schon seit einem Monat auf der Überholspur unterwegs ist, wohl noch einmal ordentlich Gas geben.
Goldman Sachs hat jedenfalls schon im Vorfeld eine Kaufempfehlung ausgesprochen und das Kursziel auf 35 Euro angehoben. Wenn das halbwegs zutrifft, steckt da immerhin vom derzeitigen Kurs weg gerechnet noch ein Potenzial von 30 Prozent drin. Und das wäre ja nicht so schlecht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2009)