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Kein Wurst-Medley im TV: Conchitas Manager kritisiert ORF

AUSTRIA EUROVISION SONG CONTEST 2015
(c) APA/EPA/JULIAN STRATENSCHULTE
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Der Auftritt von Conchita Wurst wurde im ORF nicht gezeigt. "Damit präsentiert sich der ORF wieder einmal als Mischung aus russischem Staatsfernsehen und deutschen Privatsendern", sagte ihr Manager.

"In 15 Minuten startet das Finale. Mich seht ihr im Opening und um 23h35 auf TV Sendern ohne Werbeblock", schrieb Conchita Wurst am Samstag kurz vor dem Beginn des Song-Contest-Finales auf ihrer Facebook-Seite. Das Management der ESC-Siegerin des Vorjahres äußerte die Kritik am ORF - der Sender zeigte während des Auftritts der Künstlerin mit neuen Songs im Finale des Eurovision Song Contests Werbung und News - deutlich schärfer: "Das wäre so, als ob man während des Elfmeterschießens um den WM-Titel einen Werbeblock sendet", ärgert sich Manager Rene Berto.

So sei die TV-Premiere der Songs "You Are Unstoppable" und "Firestorm" ohne die ORF-Zuseher über die Bühne gegangen - obgleich die ESC-Gewinnerin des Vorjahres diese den Fans des Song Contests gewidmet habe. "Der ORF hat zweifellos den Eurovision Song Contest hervorragend bewältigt und eine gute Show abgeliefert. Trotzdem ist das Ausblenden von Conchita nicht nachvollziehbar", unterstreicht Berto: "Damit präsentiert sich der ORF wieder einmal als Mischung aus russischem Staatsfernsehen und deutschen Privatsendern und zeigt, dass ihm der öffentlich-rechtliche Auftrag zur Unterstützung und Förderung heimischer Popmusik kein wirkliches Anliegen ist."

In 15 Minuten startet das Finale. Mich seht ihr im Opening und um 23h35 auf TV Sendern ohne Werbeblock. Posted by Conchita Wurst on Saturday, 23 May 2015

Der ORF habe 2013 die mutige Entscheidung getroffen, Conchita zum ESC nach Kopenhagen zu entsenden. Und Wurst habe sich trotz ihrer internationalen Karriere, die nach dem Triumph in Kopenhagen folgte, mit großer Freude in den Dienst der Sache gestellt, um den ESC in Wien bestmöglich zu unterstützen. "Conchita wurde zur Galionsfigur und Botschafterin des Song Contests 2015 in Wien, wo sie gleichzeitig als Moderatorin und als wesentlicher Bestandteil der Eröffnung der ORF-Übertragung mitwirkte", so Berto.

Manager: Zuseher wurden ge- und enttäuscht

Zugleich habe sie mit "Conchita" (Sony) kurz vor dem ESC ihr neues Album vorgestellt. "Genau in diesem Moment lässt sie aber der ORF in Stich und ignoriert damit ihre internationale Arbeit." Wenn der Sender statt ihres Auftritts als Intervalact während der Abstimmungsphase einen News- und Werbeblock zeige, bleibe nur zu konstatieren: "1,9 Millionen TV-Zuseher und -Zuseherinnen des ORF wurden somit ge- und enttäuscht."

ORF bedauert, dass es zu "Verstimmung kommt"

Der ORF hat nach der Kritik Bertos folgendes Statement veröffentlicht:

"Die Ausrichtung des Eurovision Song Contest stellt für den öffentlich-rechtlichen Broadcaster des jeweiligen Gastgeber-Landes immer auch eine außerordentliche finanzielle Herausforderung dar. Aus diesem Grund hat die für den Song Contest verantwortliche EBU für die TV-Shows ein dramaturgisches Konzept erarbeitet, das die Präsentation der einzelnen Songs und das Voting in mehrere Tranchen teilt. So hat der Host Broadcaster, je nach individueller Gesetzeslage, Gelegenheit, Werbespots zu zeigen. Der dual finanzierte ORF ist zum sorgsamen Umgang mit den Gebührengeldern verpflichtet und muss in diesem Sinne außerbudgetäre Aufwendungen wie für den ESC auch auf dem Werbemarkt refinanzieren. – und tut dies in dem von der EBU vorgesehenen Rahmen. Andere, ebenfalls in Österreich empfangbare Sender, die den ESC 2015 Live übertragen bzw. Live-Streams anbieten, unterliegen zum Teil anderen gesetzlichen Bestimmungen oder haben im Rahmen der Übertragung ebenfalls Werbung gezeigt.

Als Veranstalter des ESC produzierte der ORF die Interval-Act-Songs von Conchita Wurst sowohl für das Finalpublikum im Saal als auch für TV-Stationen. Die - für Vorjahres-Sieger durchaus nicht übliche - intensive Präsenz von Conchita Wurst beim ESC 2015, nicht nur beim Interval-Act, war von ORF und Conchita gleichermaßen gewünscht und für beide Seiten ein Erfolg. Die prominenten Auftritte von Conchita Wurst beim Opening und als Host im Green Room waren maßgebliche Sendungsbestandteile der gesamten Live-Übertragung. Für die nationale Live-TV-Übertragung fiel die redaktionelle Entscheidung auf den Interval Act von Martin Grubinger, der eindrucksvoll die musikalische Vielfalt des Landes zeigte.

Die Song-Auftritte von Conchita Wurst waren im ORF sowohl in der Wiederholung des Finales in ORF eins als auch im Livestream zu sehen. Ablauf und Dramaturgie der Show waren dem Management von Conchita zudem im Voraus bekannt. Der ORF bedauert, dass es nun, nach einer für beide Seiten sehr erfolgreichen Zusammenarbeit, insbesondere auch in in den letzten Tagen und Wochen, zu dieser Verstimmung kommt".

(APA/Red.)