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Barcelona: Eine Hausbesetzerin als Bürgermeisterin

Ada Colau.(c) REUTERS (ALBERT GEA)
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Umbruch in Barcelona: Ada Colau, die resolute Straßenkämpferin, dürfte zur Bürgermeisterin der katalanischen Metropole aufsteigen. Dienstwagen will sie streichen, Spitzengehälter der Abgeordneten stutzen.

Madrid. Die 41-Jährige ist so etwas wie die Heldin der spanischen Empörten – jener Protestbewegung, die zur neuen einflussreichen Kraft in Spanien geworden ist. Sie demonstrierte gegen soziale Ungerechtigkeit, rettete mit ihrer Selbsthilfeorganisation „Plattform der Hypotheken-Geschädigten“ verarmte Krisenopfer. Und nun ist die populäre Aktivistin und Ex-Hausbesetzerin Ada Colau auf dem Weg, neue Bürgermeisterin Barcelonas zu werden.

Ihr Wahlbündnis Barcelona en Comú (Barcelona vereint), das zum Kampf gegen politischen Filz und Korruption antrat, siegte in der spanischen Kommunalwahl. Eine Allianz, die vor allem von der Protestbewegung Podemos (Wir können), aber auch von Spaniens Grünen und anderen linken Parteien getragen wird. Und das keinen Zweifel hegt, in Barcelonas Stadtparlament eine tragfähige Mehrheit für Ada Colaus Wahl zur obersten Bürgerin zu erhalten.

Gleich nach der triumphalen Wahlnacht verkündete die furchtlose Straßenkämpferin ihr Sofortprogramm, mit dem sie ihre Revolution in der Mittelmeermetropole Barcelona starten will. Sie versprach Bescheidenheit, Bürgernähe und Transparenz. Sie kündigte an, dass die Bezüge der Abgeordneten auf 2200 Euro monatlich gestutzt werden. Dienstwagen soll es nicht mehr geben. „Wir werden mit den Privilegien aufräumen und mit gutem Beispiel vorangehen.“

Mit dem eingesparten Geld will Colau den vielen Armen helfen, die Spaniens Wirtschaftskrise zurückgelassen hat: Sie möchte jenen, die durch Arbeitslosigkeit oder Wohnungsräumung alles verloren haben, eine kleine Unterstützung zukommen lassen: Obdachlose Familien sollen Sozialwohnungen bekommen. Weitere gerichtliche Pfändungen, mit denen viele Mittellose aus ihren vier Wänden geklagt werden, will sie stoppen.

Bisher regierte in Barcelona, der Hauptstadt der eigenwilligen Region Katalonien, die regionale Partei CiU. Dieses bürgerliche Bündnis, das das öffentliche Leben in Katalonien beherrscht, ist durch schwere Korruptionsskandale belastet. Bis hin zum früheren katalanischen Regierungschef Jordi Pujol sollen prominente CiU-Politiker öffentliche Aufträge vorzugsweise gegen Schmiergelder vergeben haben. „Das organisierte Verbrechen hat sich unserer Institutionen bemächtigt“, sagt Colau.

Der Kampf der resoluten Frau, die Philosophie studiert hatte, begann vor mehr als einem Jahrzehnt. Damals engagierte sie sich gegen die Globalisierung, später gegen den Irak-Krieg, schließlich gegen die immer härteren Kürzungen bei Sozialleistungen, an Schulen, Unis und Krankenhäusern.

Unzählige Male stemmte sie sich Schulter an Schulter mit Betroffenen gegen die von Banken durchgesetzten Wohnungsräumungen, wurde von Polizisten aus den Häusern getragen. Sie selbst bezeichnet sich als „Aktivistin für Menschenrechte und Demokratie“. Spaniens größte Tageszeitung „El País“ konstatierte derweil anerkennend, dass sie zum „Symbol des Wandels“ geworden sei – jenes frischen Windes, der das Establishment allerorten das Fürchten lehrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2015)