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Schule: Türkische Kinder haben es schwer

(c) Clemens Fabry
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Die Unterstützung durch Eltern ist in Österreich für den Bildungserfolg entscheidend.

Wien. Kinder türkischer Einwanderer haben es in Österreich in puncto Bildung deutlich schwerer als in Frankreich oder in Schweden. Laut dem Sozialwissenschaftler Philipp Schnell liegt das daran, dass ihnen ihr Elternhaus durchschnittlich weniger Unterstützung bieten kann – dieser Support aber gerade in Österreich für den Bildungserfolg oftmals entscheidend ist.

Doch von vorn: Laut Daten aus der europäischen TIES-Studie über die Integration von Migranten der zweiten Generation erreichen in Wien nur sechs von zehn Kindern mit türkischen Wurzeln einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern. In Paris sind es dagegen fast drei Viertel, in Schwedens Hauptstadt Stockholm sogar knapp neun von zehn (siehe Grafik rechts).

Die aktuelle Analyse – für die Schnell die Bildungsdaten mit einer Betrachtung der Rahmenbedingungen verknüpft hat – zeigt nun auch, welchen Einfluss das Bildungssystem hat. „Wesentlich ist die Intensität der Wechselwirkung zwischen den Strukturen des Schulsystems und familiären Ressourcen“, so der Autor in einer Aussendung. In Österreich wirkt sich etwa der relativ späte Eintritt in vorschulische Einrichtungen negativ auf die spätere Bildung der Kinder aus. Denn dadurch seien die Eltern länger allein für das Lernen ihrer Kinder verantwortlich. Gerade türkische Familien könnten aber oft die nötigen Ressourcen dafür nicht zur Verfügung stellen – was Bildung und sozioökonomischen Status angeht, rangieren sie oft auf niedrigem Niveau. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Zeitspanne, die Kinder und Jugendliche an der Schule verbringen. Aufgrund des in Österreich nach wie vor verbreiteten halbtägigen Schulsystems ist dieser Zeitraum im Vergleich zu Frankreich und Schweden kürzer. Das erhöht wiederum die Bedeutung der Unterstützung am Nachmittag – und benachteiligt jene Kinder, deren Eltern dazu nicht in der Lage sind.

 

 

Problem frühe Schulwahl

Großen Einfluss auf den Bildungserfolg der Kinder hat auch der Zeitpunkt, zu dem über den weiteren Bildungsweg der Kinder entschieden wird. Dass diese Entscheidung in Österreich mit neun bzw. zehn Jahren – also vergleichsweise früh – getroffen wird, ist demnach problematisch. „Der Einfluss der Eltern und ihrer Bildungsgeschichte ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr groß“, so Autor Philipp Schnell.

Die Analyse „Educational Mobility of Second-Generation Turks. Cross-National Perspectives“ (Philipp Schnell) wurde im Verlag Amsterdam University Press veröffentlicht. (APA/beba)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2015)