Was Österreicher wirklich so „arm“ macht

Wer Ungleichheit beseitigen will, muss Eigentum fördern.

In Österreich ist die Einkommensverteilung außerordentlich ausgewogen, die Vermögen sind aber ungewöhnlich stark in den Händen weniger konzentriert, hat die OECD erst in der Vorwoche wieder festgestellt. Ungerecht, oder? Das lässt sich mit saftigen Vermögensteuern aber relativ einfach ändern, nicht wahr?

Nein, nicht wahr! Man muss sich einmal ansehen, wo die außerordentlich ungerechte Vermögensverteilung herkommt: Der Großteil der Vermögen besteht aus Immobilien. Immobilienbesitz ist hierzulande doppelt so viel wert wie die Unternehmensbeteiligungen und dreimal so groß wie die Finanzvermögen.

Damit sind wir beim Kern der Sache: Österreich ist ein Mieterland. Nur etwas mehr als 50 Prozent der Wohnungen gehören ihren Bewohnern. Ein Eigentumswohnungs- oder Hauskäufer, der zwanzig Jahre lang 1000 Euro Kredit im Monat abstottert, hat danach ein passables Nettovermögen angehäuft. Ein Mieter, der 1000 Euro Miete im Monat zahlt (in Wien nichts Außergewöhnliches), hat nach 20 Jahren – nichts. Das Geld hat sich bei seinem Hausherrn konzentriert.

Das ist übrigens auch der alleinige Grund für das verwunderliche Faktum, dass ein „reicher“ Durchschnittsösterreicher weniger Nettovermögen besitzt als ein „armer“ Durchschnittsgrieche oder -spanier.

W er also die Vermögenskonzentration wirklich zumindest ein wenig mildern will, muss wohl bei der Förderung des Eigentumserwerbs ansetzen. Auch wenn das im Land der politiknahen Wohnbaugenossenschaften nicht gern gesehen wird.

Man hätte dafür ein nettes Instrument namens Wohnbauförderung, das derzeit vor allem dazu dient, parteinahen Wohnbauträgern Milliardenrücklagen zu verschaffen. Eine Umschichtung dieser Wohnbaumilliarden auf die Förderung des Erwerbs von Hauptwohnsitzeigentum würde nicht nur den Gini-Koeffizienten besser aussehen lassen, sondern gleich noch einen Konjunkturimpuls mitliefern. Das großzügige Vergeben von Wohnungen wäre aber eingeschränkt. Dann lieber doch Vermögenskonzentration, denkt sich der Apparatschik.

josef.urschitz@diepresse.com