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Palmyra: IS-Fotos sollen erhaltene Kulturdenkmäler zeigen

Ein Bild aus einer Zeit, in der noch Touristen durch die Ruinen von Palmyra spazieren konnten.
Ein Bild aus einer Zeit, in der noch Touristen durch die Ruinen von Palmyra spazieren konnten.REUTERS
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Ob die Fotos echt sind, konnte bisher nicht festgestellt werden. Experten glauben, dass der IS keine weiteren großen Erfolge feiern wird können.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat Fotos veröffentlicht, die die unbeschädigten antiken Stätten in der eroberten Stadt Palmyra zeigen sollen. Auf den zehn am Donnerstag über Islamisten-Websites veröffentlichten Aufnahmen soll unter anderem das Amphitheater zu sehen sein, über das die schwarze IS-Fahne weht. Die Echtheit der Fotos konnte allerdings nicht bestätigt werden.

Zuvor war aus der Stadt selbst berichtet worden, die Ruinen seien bisher nicht beschädigt worden. Der IS hatte Palmyra in der vergangenen Woche erobert. Dort stehen Überreste aus der Römerzeit, die zum Weltkulturerbe zählen. Die Islamisten haben im Irak zahlreiche Denkmäler der Antike zerstört oder geplündert. Die syrische Altertumsbehörde hatte sich besorgt gezeigt, dass dies auch in Palmyra geschehen könnte.

" Ohne kulturelles Erbe keine Zukunft"

Mit einer unter anderem von Deutschland eingebrachten Resolution hat die UN-Vollversammlung die Zerstörung von Kulturgütern durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verurteilt. Das am Donnerstag in New York verabschiedete Papier fordert alle Staaten auf, gegen den Schmuggel von Kunst vorzugehen, um dem IS eine Finanzierungsmöglichkeit zu nehmen.

"Lassen Sie uns gegen solche Barbarei zusammenstehen und mit einer Stimme sprechen", forderte die deutsche Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer, die eigens nach New York gereist war. "Ohne dieses kulturelle Erbe haben wir keine Zukunft." Deutschland und der Irak hatten die Resolution gemeinsam verfasst und eingebracht, mehr als 80 Staaten schlossen sich dem Entwurf schon vor der Sitzung an.

IS am Höhepunkt der Macht?

Vieles deutet darauf hin, dass der Eroberungszug der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) mit Palmyra seinen Höhepunkt erreicht hat. Den Nimbus der Unbesiegbarkeit haben die radikal-sunnitischen IS-Milizionäre bereits vor Monaten bei der verlustreich gescheiterten Eroberung von Kobane im Norden Syriens verloren.

Im Norden aber sind die Kurden auf dem Vormarsch und haben sich den Weg nach Raqqa freigekämpft - der inoffiziellen Hauptstadt des von IS ausgerufenen Kalifats. Im Irak stockt die IS-Offensive seitdem die Siedlungsgebiete der Sunniten eingenommen wurden und die Schiiten eigene Milizen den Angreifern entgegenstellen.

Die Propagandisten des IS stilisieren dagegen die Einnahmen von Palmyra und von Ramadi unweit der irakischen Hauptstadt Bagdad zu großen Siegen. Ob das Kalkül ihrer Strategen aufgeht, mit den beiden militärischen Erfolgen das Fanal für einen neuen Sturmlauf zu setzen, ist aber zweifelhaft.

"Der IS ist nur noch zu Scharmützeln an den Grenzen der von ihm eroberten Gebieten in der Lage", konstatiert der Experte am renommierten Washington-Institute, Michael Knights. Unter dem Strich habe der IS in der letzten Zeit an Boden verloren. Die Lesart der Jihadisten ist eine ganz andere. Die Einnahme von Palmyra sei wichtig gewesen, um zu zeigen, dass der IS die stärkste und attraktivste Oppositionsgruppe in Syrien sei, sagte ein IS-Milizionär, mit dem Reuters telefonieren konnte und der nicht als offizieller Vertreter seiner Gruppierung sprach. "Es schließen sich uns jetzt neue Kämpfer an, syrische Kämpfer. Sie haben entdeckt, dass der Islamische Staat wahrhaftig ist und seine Versprechen erfüllt und uns unsere Würde zurückgibt."

(APA/Reuters)