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Goldene Zeiten für Amerikas Gagenkaiser

David M. Zaslav speaks at the Television Critics Association Cable TV Summer press tour in Beverly Hills
David M. ZaslavREUTERS
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In den USA sind die Bezüge von Vorstandschefs heute höher als vor der Finanzkrise. Alle gesetzlichen Maßnahmen zur Zügelung der überbordenden Managergehälter verpufften bisher wirkungslos.

Für Leslie Moonves, den Vorstandsvorsitzenden des Fernsehkonzerns CBS, brachte das abgelaufene Bilanzjahr eine heftige Einkommenseinbuße. Um saftige sechs Prozent sanken seine Bezüge im Vergleich zum Jahr davor. Spendenaufrufe für den 65-jährigen Großneffen von David Ben-Gurion, Israels erstem Ministerpräsidenten, sind allerdings verfrüht: mit 54 Mio. Dollar (49 Mio. Euro) fand sich Moonves noch immer auf Rang zehn der Rangliste von Amerikas bestbezahlten Unternehmenschefs wieder.

Doch nicht nur das: 25 Mio. Dollar, also fast die Hälfte seines Gesamtbezuges aus Aktien, Bargeld und Boni, erhielt er in Cash. Zwölf Millionen Dollar davon waren an den Erfolg von CBS geknüpft, die restlichen 13 Millionen Dollar erhielt Moonves jedoch in Anerkennung seiner Führung und Leitung bei der Schaffung von hervorragendem Programm. Anders ausgedrückt bekam der TV-Studioboss einen großen Bonus dafür, dass er ein TV-Studioboss ist, unkte die „New York Times“.

Das ist kein Einzelfall. Im siebten Jahr nach dem Zusammenbruch der Wall-Street-Bank Lehman Brothers (sozusagen dem Epizentrum der Großen Rezession, die daraufhin um die Welt jagte) verdienen Amerikas Konzernchefs so viel wie nie zuvor. Die „New York Times“ hat unlängst die Bezüge der Vorstandschefs aller börsenotierten Unternehmen, deren Marktwert mehr als eine Milliarde Dollar beträgt, von der Beratungsfirma Equilar berechnen lassen. Ergebnis dieser Studie: Die durchschnittliche Gage der Bosse der 200 größten US-Unternehmen betrugen im vergangenen Bilanzjahr (Stichtag: 30. April) 22,6 Millionen Dollar. Das war ein Anstieg um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert, seit Equilar im Jahr 2006 diese Berechnungen erstmals durchgeführt hat.

Sanktus der Aktionäre. Die Aktionäre der untersuchten Unternehmen haben mit dieser Entwicklung mehrheitlich kein Problem. Im Durchschnitt stimmten vergangenes Jahr nur 16 Prozent der Aktionäre gegen die Vorschläge für die Vergütung der Vorstände ihrer Unternehmen. Das verwundert kaum, denn die amerikanischen Börsen florieren, seit die Weltwirtschaft vor sechs Jahren dank der enormen Geldspritzen der Notenbanken knapp vor dem Absturz bewahrt wurde. Von seinem Tiefststand von 7063 Punkten im Februar 2009 hat sich der Leitindex Dow Jones auf mehr als 18.000 Punkte gesteigert.

Allerdings ist die Hausse an Amerikas Börsen nicht so sehr besonderem Managergeschick oder strategischer Weitsicht in der Chefetage zu verdanken. Das Quantitative Easing der Federal Reserve, also das Aufkaufen von Anleihen und anderen Wertpapieren durch die US-Notenbank, hat zusammen mit der Nullzinspolitik die allgemeine Geldmenge enorm erhöht und den Aktienkauf auf Kredit spottbillig gemacht. Vor allem deshalb steigen die Kurse – und nicht wegen guter Unternehmensführung.

Selbst vor diesem Panorama, das die Erzielung steigender Kurse leicht macht, legen sich einige Konzernbosse die Latte besonders tief. Der Baumaschinenhersteller Caterpillar zum Beispiel hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 52 Mrd. Dollar. Das Ziel, das der Vorstand erreichen musste, um einen Erfolgsbonus zu kassieren, betrug aber nur 20 Mio. Dollar Betriebsgewinn. Caterpillar übertraf diesen Wert um das Siebzigfache, und die Boni für die Chefetage stiegen um 167 Prozent.

Im Schatten der Finanzkrise war der Wille in den Vereinigten Staaten groß, solche Entwicklungen zu verhindern. Allzu üppige Bezüge, vor allem jene, die zu sehr an die Erreichung kurzfristiger Kursziele geknüpft sind, würden die Manager zu verantwortungslosem Verhalten und gefährlicher Risken verleiten, lautete die Überlegung.

Abgekartetes Spiel. Der Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act, im Jahr 2010 einzig mit den Stimmen der Demokraten im Kongress erlassen, beendete zumindest einige problematische Vergütungspraktiken. Die Unart, den Aktionären die Steuerlast für die Goldenen Handshakes abgehender Konzernvorstände umzuhängen, gibt es kaum mehr. Dasselbe gilt großteils für jene obskuren Pensionspläne, die scheidenden Bossen enorme Summen nachwarfen, unabhängig davon, wie deren Leistung war.

Doch im Wesentlichen ist die Festlegung der Chefgagen heute wie damals ein abgekartetes Spiel. Das Beispiel des Bestverdieners in Amerikas Konzernetagen veranschaulicht dieses Phänomen: David M. Zaslav erhielt im vergangenen Jahr 156 Mio. Dollar dafür, das Medienunternehmen Discovery Communications zu führen, das unter anderem den Kabelsender Discovery Channel betreibt. Discovery Channel wird von dem Kabelfernsehmilliardär John Malone kontrolliert. 41 Prozent der Aktionäre stimmten gegen Zaslavs 156-Millionen-Bezug – doch ihr Votum ist wertlos: Malone kontrolliert das Unternehmen, und Zaslav ist sein Statthalter. Dasselbe gilt für Michael Fries, Chef des ebenfalls von Malone kontrollierten Unterhaltungskonzerns Liberty Global. Er kassierte 112 Mio. Dollar. Gregory Maffei, ein weiterer Malone-Mann an der Spitze von Liberty Media, landete mit 74 Mio. Dollar auf Platz sechs der Rangliste.

Allerdings verblassen diese Zahlen, wenn man sie mit den Verhältnissen in der Welt von Hedgefonds und Private-Equity-Firmen vergleicht. Laut Erhebung des Fachmagazins „Institutional Investor's Alpha“ verdienten die 25 bestverdienenden Hedgefondsmanager im Vorjahr im Schnitt eine halbe Milliarde Dollar. Kenneth Griffin, Gründer und Chef von Citadel, strich 1,3 Milliarden Dollar ein.

Fakten

Jahr 2008: Nach der großen Finanzkrise des Jahres schwor man sich in den USA, exzessive Vorstandsgehälter zu zügeln.

Jahr 2010: Der Dodd-Frank Act setzt Reformen um, die aber großteils wirkungslos verpuffen. So stiegen die Vorstandsgagen trotz verstärkter Mitsprache der Aktionäre im jährlichen Durchschnitt um knapp zehn Prozent.

Jahr 2014: Die 200 bestbezahlten US-Konzernchefs verdienten im Schnitt 22,6 Mio. Dollar – mehr als vor dem Finanzkrach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2015)

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