Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen 88-jährig gestorben

Bühnenbildner Günther Schneider-Siemssen
Schneider-Siemssen(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
  • Drucken

Der langjährige Chefbühnenbildner der Österreichischen Bundestheater starb am Dienstag in Wien. Günther Schneider-Siemssen arbeitete an Opernhäusern auf der ganzen Welt.

Der Bühnenbildner und Regisseur Günther Schneider-Siemssen, langjähriger Ausstattungschef der Österreichischen Bundestheater, ist heute, Dienstag, Früh im Kreis seiner Familie gestorben. Schneider-Siemssen, der an Opernhäusern auf der ganzen Welt gewirkt hat, hätte in wenigen Tagen seinen 89. Geburtstag gefeiert.

Er wurde am 7. Juni 1926 in Augsburg geboren. Als junger Bühnenbildner wirkte er bei sieben Spielfilmen in München und Berlin mit, 1947 folgten erste Engagements an Kleinbühnen, anschließend arbeitete er für die Staatsoperette München. Sein erstes Engagement als Chefbühnenbildner erhielt Schneider-Siemssen 1951 unter Intendant Peter Stanchina am Landestheater Salzburg.

Bühnenbildner der Salzburger Festspiele

Schneider-Siemssen, der 1973 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt, blieb in der Folge eng mit der österreichischen Theaterwelt verbunden. Er war jahrzehntelang Bühnenbildner des Salzburger Marionettentheaters, der Salzburger Festspiele und der Osterfestspiele Salzburg sowie 1962 bis 1987 Chefbühnenbilder der Österreichischen Bundestheater.

International wirkte er als Gastbühnenbildner an allen großen deutschen Opernhäusern, ab 1963 an den Opern in West- und Osteuropa. Schneider-Siemssen entwarf Bühnenbilder für die Met in New York ebenso wie für Opernhäuser in Südamerika, Kanada, Israel, Südafrika und vielen Städten der USA.

Illusionen und Lichtspiele

Neben dem Bühnenentwurf war die Umsetzbarkeit des Lichts auf der Bühne Schneider-Siemssens zweite Leidenschaft. Jahrzehntelang arbeitete er mit der in Wien angesiedelten Firma Pani an Entwicklungen der Licht-und Projektionstechnik. In den 80er Jahren wandte er - erstmals in der Theatergeschichte - die Holographie bei einer Inszenierung von "Hoffmann's Erzählungen" am Salzburger Marionettentheater an.

Mit seinen Lichtkreationen "verzauberte" er aber auch Gebäude und Landschaften. Bei den Opernbällen 1994 und 1995 etwa betrat das Publikum die Oper nicht durch das Eingangstor, sondern durch die Illusion eines grünschillernden Blätterwaldes. Auch im Ausland, etwa in Tokio und Boston, fanden Schneider-Siemssens Lichtspiele statt.

Der vierfache Vater wurde 1987 mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 1998 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Der "Zauberer der Fantasien"

Als "einen der bekanntesten und erfolgreichsten Bühnengestalter" würdigte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) Schneider-Siemssen. "Seine Vita liest sich wie eine Musikgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Günther Schneider-Siemssen war der Künstler, der das meisterhafte Bild zu den Tönen gestaltet hat", so Ostermayer über den 88-jährig Verstorbenen. "Er war über Jahrzehnte hindurch der Zauberer der Fantasien und Illusionen, die sich jeder zur klassischen Musik erhoffte. Jedes seiner Werke war ein poetisches Gesamtkunstwerk der illustrierten Bühne."

Auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer trauert um einen "der bedeutendsten Bühnenbildner der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nicht nur im Opernbereich". Schneider-Siemssen habe "das Gesicht der Wiener Staatsoper geprägt wie kaum ein anderer", heißt es in einer Aussendung der Staatsoper. Manche Produktionen hätten Kultstatus erreicht und stehen heute noch, Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, regelmäßig am Staatsopernspielplan. So werde man die morgige Wiederaufnahme von "Fidelio" Schneider-Siemssen widmen.

(APA)