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Irak-Premier: "Kampf gegen IS gescheitert"

Iraks Premier Haidar al-Abadi bei seinem Besuch in Washington im Weißen Haus bei Barack Obama.
Iraks Premier Haidar al-Abadi bei seinem Besuch in Washington im Weißen Haus bei Barack Obama.REUTERS
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Al-Abadi fordert mehr Unterstützung. Auf Einladung von Frankreichs Außenminister Fabius trifft sich die internationale Anti-IS-Allianz in Paris.

Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi hält die bisherige Strategie der internationalen Koalition gegen die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) für gescheitert. "Ich denke, dass es ein Scheitern der internationalen Gemeinschaft ist", sagte Abadi mit Blick auf den Kampf gegen IS am Dienstag kurz vor Beginn einer internationalen Konferenz zu dem Thema in Paris.

Dabei prangerte er auch eine zu geringe Unterstützung für sein Land an: "Es wird viel über Unterstützung für den Irak geredet, aber es gibt sehr wenig vor Ort."

"Luftangriffe reichen nicht aus", sagte er weiter. "Es gibt zu wenig Aufklärung. Daesh (der IS) ist sehr mobil und bewegt sich in sehr kleinen Gruppen." Die irakischen Truppen bräuchten daher mehr Luftaufklärung, um sich gegen den Vormarsch der Extremisten stemmen zu können. Auch die Unterstützung der Bodentruppen durch die Verbündeten in der Allianz gegen den IS lasse zu wünschen übrig.

IS erobert Ramadi und Palmyra

Die US-geführte internationale Koalition fliegt seit dem vergangenen Jahr Luftangriffe gegen die IS-Extremisten im Irak und in Syrien. Dennoch konnten jene kürzlich die strategisch wichtigen Städte Ramadi im Irak und Palmyra (Tadmor) in Syrien erobern. Der IS erbeutete dabei auch erneut amerikanisches Militärgerät von den irakischen Truppen. Ramadi liegt nur 100 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt.

Abadi forderte die internationale Gemeinschaft auch auf, sein Land verstärkt Waffen kaufen zu lassen, um die für ihre Gräueltaten bekannten Jihadisten bekämpfen zu können. Seine Land habe "fast keine" Waffen erhalten. Unter anderem wegen bestehender Sanktionen gegen Russland und den Iran könne Bagdad keine Waffen kaufen.

Nach Angaben des irakischen Regierungschefs nimmt die Zahl ausländischer Kämpfer in den Reihen des IS zu. In der Vergangenheit seien es 42 Prozent Ausländer und 58 Prozent Iraker gewesen. Heute sei das Verhältnis umgekehrt bei 60 Prozent ausländischen Kämpfern und 40 Prozent Irakern. Er verlangte Erklärungen, warum so viele gewaltbereite Islamisten aus den Golfstaaten, aus Ägypten, Syrien, der Türkei und europäischen Ländern in den Irak kommen könnten.

Anti-IS-Konferenz in Paris

Zu der Konferenz der internationalen Anti-IS-Koalition, die am Vormittag in Paris begonnen hat, werden mehr als 20 Minister und Vertreter internationaler Organisationen erwartet, darunter Frankreichs Außenminister Laurent Fabius und sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier. Bei dem Treffen sollte es um die Strategie der Koalition gehen. Auf Bagdad sollte aber auch der Druck erhöht werden, sunnitische Bevölkerungsgruppen neben den Schiiten besser einzubinden.

US-Außenminister John Kerry soll nach seinem Fahrradunfall per Video zugeschaltet werden. An den Kämpfen gegen die radikalsunnitischen IS-Truppen beteiligen sich rund 40 Länder, darunter auch einige sunnitische arabische Staaten. Nicht jede Nation ist militärisch dabei. Deutschland hat bisher vor allem mit Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak beigetragen.

(APA/dpa)