EDUARD-Camp am Kaiserwasser: Lernen, ohne es zu merken

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Education Award 2015. Zwei Tage lang forschten, kochten und designten die Siegerklassen aus ganz Österreich in Workshops zum Thema Nachhaltigkeit.

Quer über das T-Shirt zieht sich die Flugroute Wien-Bangladesch im Google-Maps-Style – unterbrochen nur von einer Fehlermeldung, die man sonst nur vom Computer kennt: „Massenproduktion.docx-Datei kann nicht gefunden werden. Überprüfen Sie, ob die Arbeitsbedingungen in Ordnung sind“.

Es waren Slogans wie diese, die die Schüler im Clean-Clothes-Camp erdacht und auf T-Shirts gedruckt haben – um mit Hilfe von Design auf die Realität hinter der Mode aufmerksam zu machen. Keine Sorge: Die bedruckten T-Shirts waren aus Bio-Baumwolle fair erzeugt. Wie auch die bedruckten Taschen, von denen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine (passenderweise rote) überreicht bekam, als sie am Dienstag zum Ende des EDUARD-Camps den Gewinnern des Schulwettbewerbs deren Urkunden überreichte.

Es war eine Premiere: Zwar gibt es den Education Award bereits seit vier Jahren, doch erstmals lud die „Presse“ (gemeinsam mit REWE und Coca-Cola und unter der Schirmherrschaft des Bildungsministeriums) sechs Siegerschulen aus sechs Bundesländern zum zweitägigen Camp. Die Gewinner hatten zuvor kreative „Presse“-Titelseiten zum Thema verantwortungsvolles Leben eingesandt und sich damit gegen 88 andere Klassen durchgesetzt.

 

Zwischen Gruft und Milchlabor

Beim Camp im UniCredit-Center am Wiener Kaiserwasser wurde dann bei strahlendem Wetter geforscht, geschneidert, gesportelt und diskutiert. Wie später auch bei der Abschlusspräsentation zeigten die Schüler in den Workshops (zu den Themen Bewegung, Ernährung und Design), was in ihnen steckt: Sie interviewten Obdachlose im Caritas-Tageszentrum Zweite Gruft, sie kochten mit Essensresten, produzierten laktosefreie Milch, nähten aus alten T-Shirts neue und versuchten, beim Sporteln die eigene Leistungsfähigkeit zu verbessern. Elf engagierte Schüler bewiesen sich außerdem als Journalisten. Die von ihnen gestaltete sechsseitige Zeitung wird der „Presse“ am kommenden Freitag beiliegen.

Bei der Preisverleihung gab es auch Lob von den Sponsoren. Corinna Tinkler (REWE) freute sich über Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfall (der Konzern engagiert sich selbst etwa durch die Aktion Wunderlinge), Petra Burger von Coca-Cola über die sportlichen Leistungen (das Unternehmen will selbst zu mehr Bewegung motivieren). „Schön, wenn Unterricht – wie bei EDUARD – so stattfindet, dass man gar nicht merkt, dass es Unterricht ist. Und trotzdem so viel lernt“, resümierte Ministerin Heinisch-Hosek. Am Ende erhielt auch sie noch Lob: „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak gratulierte mit Verspätung zur bestandenen Zentralmatura. (red.)

AUF EINEN BLICK

Education Award 2015. Seit nunmehr vier Jahren zeichnet „Die Presse“ die kreativsten Schülerideen mit dem Education Award EDUARD aus. Dieses Jahr standen der Bewerb und das neue Kreativ-Camp – konzipiert von Bildungsforscher Christian Bertsch und TU-Wien-Physiker Bernhard Weingartner – unter dem Motto „Verantwortungsvolles Leben“. Die Siegerschulen: die NMS Ybbsitz, die NMS Hippach, das Goethe-Gymnasium Wien, das BG Bludenz, die Fachschule für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit Graz und die HBLA Ursprung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2015)