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Milchpreis-Demo: "Stirbt der Bauer, stirbt das Land"

(c) DiePresse.com (Splechtna)

1500 Milchbauern mit 300 Traktoren und mehreren Kühen haben heute Vormittag auf der Wiener Ringstraße für höhere Milchpreise demonstriert. In ganz Europa finden ähnliche Protestaktionen statt.

In ganz Europa gingen heute die Milchbauern auf die Straße, um für höhere Preise zu demonstrieren. In Wien machten laut Veranstaltern rund 1500 Milchbauern mit mehr als 300 Traktoren und mehreren Kühen auf der Ringstraße ihrem Unmut Luft. Sie demonstrierten damit gegen den drastischen Verfall des Bauernmilchpreises.

Auf Plakaten und Transparenten der Milchbauern war unter anderem zu lesen "Ohne faire Preise keine Zukunft" oder auch "Stirbt der Bauer, stirbt das Land".

Neben den hunderten Traktoren hatten die Bauern auch zahlreiche Kühe im Gepäck - die Plastikwerbefiguren für ihre Produktschiene "A faire Milch" und einige lebende Exemplare. Letztere waren mehrheitlich entweder rot-weiß-rot oder mit einem Totenkreuz bestrichen.

Im Rahmen der Kundgebung fuhren die Landwirte mit ihren Traktoren vom Heldenplatz zum Parlament. Dort wurde der Präsidentin des Nationalrates, Barbara Prammer und den Agrarsprechern der Parlamentsparteien Forderungen überreicht.

Danach zog der Protest-Tross weiter zum Landwirtschaftsministerium, um die Forderungen auch an Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (VP) überreichen zu können. Dieser befindet sich heute allerdings auf einer lange geplanten Niederösterreich-Tour, hieß es dazu aus seinem Ressort.

100.000 Bauern demonstrieren in Europa

Aber nicht nur in Wien finden Demonstrationen statt: An die 25.000 Milchbauern in ganz Europa sind heute auf die Straße gegangen, um auf die ihrer Meinung nach existenzbedrohenden Milchpreise aufmerksam zu machen.

Das European Milk Board (EMB), ein Dachverband von rund 100.000 Milchbauern in 14 europäischen Ländern, hat den heutigen Tag zum Milchaktionstag ausgerufen und veranstaltet zahlreiche Großdemos für bessere Preise in ganz Europa.

Von der Politik fordern die Milchbauern eine flexible Mengenregulierung - anstatt des Quotensystems, das es derzeit gibt. Damit könne das Angebot an Milch an die Nachfrage angepasst werden, so die Argumentation der Bauern. Die Konsumenten sollen durch die Proteste für den Wert der bäuerlichen Produkte sensibilisiert werden.

Jeden Tag verschwinden neun Bauernhöfe

Zurück nach Österreich: Laut Statistik verschwinden hierzulande jeden Tag 97 Kühe und 9 Bauernhöfe. Die Zahl der derzeit noch rund 40.000 Milchbauern Österreichs reduzierte sich zuletzt jährlich um mehr als 2000 Betriebe. Selbst wenn der Erzeugermilchpreis auf dem aktuellen Niveau von knapp 30 Cent pro Kilogramm bleibe, müsse ein Viertel der heimischen Milchbetriebe zusperren. Das sagte Ernst Halbmayr von der IG Milch, den Veranstaltern der heutigen Milch-Demonstration. Die Tendenz bei den Preisen in Österreich sei aber weiter fallend und bewege sich in Richtung deutsches Niveau auf unter 20 Cent.

"Der Milchmarkt ist in den vergangenen Wochen völlig zusammengebrochen", schilderte IG Milch-Obmann Ewald Grünzweil die Lage. Oder wie ein deutscher Milchbauer meinte: "Wir haben den Bankdirektor im Genick und den Kuhschwanz im Gesicht". "Wenn der Milchpreis weiter so sinkt, werden wir bald Eintrittsgeld in den Stall zahlen müssen", hieß es da unter den Milchbauern.

Entstanden sei die Situation durch die EU-weite Aufstockung der Milchlieferquoten zu einem Zeitpunkt, als der Milchmarkt bereits übersättigt gewesen sei. Das habe in der Folge zu dem starken Preisverfall geführt. Für einen Liter Milch würden Österreichs Bauern mindestens 40 Cent benötigen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Europaweit die selben Forderungen

Europaweit haben die Milchbauern die selbe Forderung an die Politik: die Mengenregulierung bei Milch soll flexibler werden. In Österreich sei dazu eine Novellierung der Milchmarktordnung nötig, im Zuge derer vor allem das nationale Abrechnungssystem abgeschafft gehört, so die IG Milch. Zudem schlägt die IG Milch die Gründung einer nationalen Erzeugerorganisation vor, über die die Milchmengen geregelt werden sollen.

Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern wird in Österreich das System der Saldierung angewendet, bei dem die bei einer Quoten-Überlieferung fällige Strafzahlung auf alle Milchbauern aufgeteilt wird. Dieses Abrechnungssystem verdammt laut IG Milch zur Überproduktion, was auch dazu geführt habe, dass Österreich seit dem EU-Beitritt in Relation zur Quote (auf Österreich entfallen nur 2 Prozent der Milchquote) die höchste Überlieferung habe.

Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich (VP) habe zwar angekündigt, vorübergehend die Quotenaufstockung um 1 Prozent zur Entlastung des Milchmarktes auszusetzen; aber auch das mache nur bei einer - zumindest teilweisen - Abschaffung des Saldierungssystems Sinn, so Grünzweil.

 

(Red./APA)