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Tirol: Wirbel um Polizeigewalt

(c) AP (Ronald Zak)
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Rechte gegen linke Szene: Ein Privatvideo hält Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz der Exekutive fest. Die Polizei dementiert exzessive Gewalt, immerhin seien auch drei Beamte verletzt worden.

INNSBRUCK. Aufregung um einen Polizeieinsatz in Innsbruck: In der Nacht auf Sonntag war es in der Bogenmeile einmal mehr zu Tumulten vor dem Kulturzentrum PMK gekommen. Beamte setzten Schlagstöcke und Pfefferspray gegen Besucher eines im PMK veranstalteten Konzerts ein, weil diese angeblich Passanten attackiert hätten. Die Besucher behaupten hingegen, zuvor von Rechtsextremen angegriffen worden zu sein. Das Kulturzentrum, das dem linken Spektrum zuzuordnen ist, war schon vorher Ziel von Angriffen.

Der Polizeieinsatz wurde von einer Zeugin auf Video festgehalten, dieses wurde der „Presse“ vorgeführt. Die Aufnahmen zeigen rund zehn Minuten des Einsatzes, der zuerst relativ ruhig verläuft, bis zwei Polizeibeamte einen jungen Mann am Boden fixieren. Eine junge Frau, die aufgebracht protestiert, bekommt einige Hiebe mit dem Schlagstock verpasst. Zu sehen ist weiters, wie ein Beamter Pfefferspray einsetzt, um einen weiteren Konzertbesucher zu vertreiben, der ebenfalls gegen die grobe Behandlung seines Bekannten protestiert. Die Betroffenen haben bereits den Anwalt Matthias Kapferer eingeschaltet, der nach Sichtung des Videomaterials eine UVS-Beschwerde gegen die Beamten einreichen will.

Einsatzleiter Thomas Schönnach nimmt seine Beamten in Schutz: „Aus meiner Sicht waren das keine übertriebenen Maßnahmen, sondern gelinde Mittel.“ Immerhin seien auch drei Beamte verletzt worden. Von Angriffen Rechtsextremer weiß Schönnach nichts. Auslöser des Einsatzes sei vielmehr die Beobachtung einer Beamtin vor dem Monitor einer öffentlichen Überwachungskamera gewesen. Demnach seien „schwarz gekleidete, vermummte Personen mit Eisenstangen aus dem Lokal gestürmt, haben Passanten attackierten und dabei eine Person schwer verletzt“. Allein: Das vermeintliche Opfer hat sich nicht gemeldet, konnte bislang nicht ausgeforscht werden. Die Kripo prüft derzeit die Aufnahmen der Überwachungskamera.

Sowohl Augenzeugen als auch die Konzertveranstalter widersprechen Schönnachs Darstellung und fordern von der Polizei die Herausgabe der Bänder der Überwachungskamera, auf denen der geschilderte Angriff der Rechtsextremen zu sehen sein müsste.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2009)