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Restitution: Österreich droht wieder Klage

Schieles
Schieles "Tote Stadt III"APA
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Erben des Kabarettisten Fritz Grünbaum wollen im Streit mit der Republik US-Gerichte anrufen.

Mit Karl Farkas trat er regelmäßig im Simpl auf, doch dieser flüchtete 1938, Fritz Grünbaum hingegen wurde von der Gestapo verhaftet und 1941 in Dachau ermordet. In seiner Wohnung hatte Grünbaum eine große Kunstsammlung; allein von Schiele sollen sich bei der Festnahme mehr als 80 Werke dort befunden haben.

14 Schiele-Bilder wollen seine Erben zurück, zwölf vom Leopold-Museum, zwei von der Albertina. Es bleibe ihnen „kein anderer Weg, als die Gerichte in den USA anzurufen“, haben sie jetzt angekündigt. Die Erben sehen sich als Opfer von Österreichs „verfehlter Restitutionspolitik“ und wollen die Republik klagen. Diese weigere sich, „ihrer Verpflichtung aus dem Staatsvertrag nachzukommen und Raubkunst zurückzugeben“. Dabei orientieren sich die Erben am Vorgehen von Maria Altmann und ihrem Anwalt, Randolf Schoenberg, im Fall „Adele“ – auch da erwies sich der Umweg über die USA als erfolgreich.

 

Gesetz gelte auch für Leopold-Werke

Das alte Problem ist, dass das Kunstrückgabegesetz nur Bundesmuseen umfasst, nicht private Stiftungen wie das Leopold-Museum (was die Erben freilich anfechten wollen). In seiner Reaktion auf die Klageankündigung hat das Ministerium daher nur eine Empfehlung des Kunstrückgabebeirats für die Albertina-Bilder angekündigt („Sitzender weiblicher Rückenakt mit rotem Rock“, „Mutter und Kind“) – „voraussichtlich“ noch heuer – und verweist in Sachen Leopold-Museum auf die Entscheidung der unter Claudia Schmied eingesetzten Michalek-Kommission 2010: Diese Schiele-Werke wären auch dann nicht nach dem Gesetz rückgabepflichtig, wenn sie Bundeseigentum wären.

Unter den beanspruchten Schiele-Werken ist auch „Tote Stadt III“, das schon einmal Ende der Neunziger für Aufsehen gesorgt hat: Gemeinsam mit dem „Bildnis Wally“ wurde es in New York beschlagnahmt, bald darauf aber dem Leopold-Museum wieder zurückgegeben. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2015)