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Die Frösche und ihr globaler Bankensumpf

Für Großbanken ist Strafe zahlen offenbar billiger als Wohlverhalten.

Gerade rechtzeitig zum Vorstandsrücktritt bei der Deutschen Bank, die in den vergangenen Jahren wirklich nur wenige globale Finanzsauereien ausgelassen hat, hat die Londoner CCP-Research Foundation errechnet, dass die 16 weltgrößten Banken, zu denen das größte deutsche Institut gehört, in den fünf Jahren von Anfang 2010 bis Ende 2014 kumuliert rund 280 Mrd. Euro an Strafzahlungen abgeliefert haben. Nur so zum Vergleich: Die gesamte Wirtschaftsleistung Österreichs lag 2014 bei knapp 329 Mrd. Euro.

Verhängt wurden diese Strafen unter anderem für die Manipulation von Zinsen und Devisenkursen und für Geldwäsche in großem Stil. Der Gesamtschaden, der dabei angerichtet wurde, macht ein Vielfaches der Strafsumme aus.

Wenn jemand also behaupten würde, viele Banker– speziell Investmentbanker – in global operierenden Bankenkonzernen gingen einer hochkriminellen Profession nach, dann würde man wohl nur schwache Gegenargumente finden.

Das Argument, es habe sich dabei um extreme Auswüchse der „Everything goes“-Ära vor der großen Finanzkrise gehandelt, zieht hier nicht: Die 300 Mrd. Euro an Strafen sind lang nach dem Lehman-Crash angefallen. Kriminelle Beutelschneiderei ist also trotz aller Beteuerungen, man habe das nun abgestellt und baue auf neue „Werte“, weiter im Global Banking gang und gäbe.

Es gibt ja auch keine Konsequenzen: Während jeder kleine Hühnerdieb beim zweiten oder dritten Mal in den Knast wandert, kommen Großbanken und deren verantwortliche Manager mit einem Bruchteil der ergaunerten Summe als „Strafzahlung“ davon. Das schlimmste, das einem Trickser da passieren kann, ist, mit einer hohen Abfindung verabschiedet zu werden.

Mit anderen Worten: Die Finanzwelt hat aus dem großen Krach von 2008 nichts gelernt. Das Strafrecht greift bei großen Betrügereien offenbar nicht und die Regulatoren können sich gegen die einflussreichen Bankenlobbys nicht durchsetzen. Es ist genau so, wie es die „Neue Zürcher“ neulich formuliert hat: Wir haben global einen riesigen Bankensumpf – und die darin recht fröhlich lebenden Frösche sind selbst beauftragt, diesen Sumpf trockenzulegen. So kann das nichts werden. Eigentlich wäre es ja Aufgabe der Wirtschaftspolitik, diesen Sumpf auszutrocknen. Die Hoffnung darauf ist aber naiv.

josef.urschitz@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2015)