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Vereinigte Bühnen Wien: Finanzkrise – das Musical lahmt

(c) EPA (Herbert P. Oczeret)
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547.000 Besucher, aber 2,257 Mio. Euro Verlust melden Theater an der Wien, Raimundtheater und Ronacher. Heuer fehlen sechs Mio.

„Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) bestätigen unsere schlimmsten Befürchtungen“, sagt Wiens VP-Kultursprecher Franz Ferdinand Wolf. Im Schnitt lege der Steuerzahler auf jede Karte rund 36 Euro drauf. Thomas Drozda, früher beim Burgtheater, nun VBW-Geschäftsführer, sprach Mittwochabend vor Journalisten offene Worte: Auch bei einem sehr schlanken Betrieb sei es unmöglich, mit 35 Mio. Euro Subvention zwei Musical-Spielstätten und Oper auf dem jetzigen Niveau zu betreiben: „Es werden Finanzgespräche für das nächste Jahr zu führen sein.“ Für 2009 liegt der geplante Abgang bei sechs Mio. Euro, „falls die Einnahmen nicht radikal einbrechen“. Die Verluste für 2008/09 werden aus Rücklagen finanziert, die seien aber damit zu Ende.

 

Ronacher „massiv“ unter Erwartungen

574.000 Besucher verzeichneten die VBW 2008. Der konzernweite Verlust beträgt 2,257 Mio Euro. Die Einnahmen sind drei Mio. Euro unter den Erwartungen geblieben. 3,3 Mio. Euro wurden bei den Ausgaben eingespart. Das Unternehmen sei aber „ausgabenseitig nicht nachhaltig zu sanieren“ (Drozda). Die VBW-Gesamtauslastung beträgt 82 Prozent. Im Ausland sahen weitere 665.000 Besucher VBW-Musicals. In Wien jedoch haben „Rebecca“ und „The Producers“ „weniger als geplant“ eingespielt. Das für 47 Mio. Euro bereits zum zweiten Mal sanierte Ronacher sei „massiv“ unter den Erwartungen geblieben. Die Musical-Auslastung im einzelnen: „We Will Rock You“ hatte 89,8 Prozent Auslastung, „Rebecca“ nach der Wiederaufnahme im Herbst 77,4 Prozent, insgesamt kommt das Wiener Musical auf 92 Prozent Auslastung. „The Producers“ im Ronacher kamen zwar auf 73 Prozent, allerdings wurden nicht alle verfügbaren Plätze angeboten, genauer, die Galerie verhängt.

Er wolle sich nicht auf die Krise ausreden, meinte Drozda, „aber es gibt sie und sie betrifft nicht die Hochkultur, sondern das Massengeschäft. Täglich im freien Verkauf 2000 Plätze zu verkaufen ist eine große Herausforderung“, noch dazu bei den hohen Ticketpreisen. Die teuersten Tickets für „Rudolf“ kosten z.B. 87 Euro. 2009 erhalten die VBW weniger Subventionen als 2008: 37,3 statt 40 Mio Euro. Vorgesehen war eine Absenkung auf 35 Mio. „Ich bin entsetzt über das Ausmaß der Katastrophe, höchste Zeit für eine Kursänderung“, sagt Marie Ringler, Kultursprecherin der Wiener Grünen. Freilich wurden die Intendantenverträge jüngst verlängert. apa/bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2009)