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Wiens Musical ist viel zu altmodisch

Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) sind ein Fass ohne Boden. Die Finanzkrise ist nicht schuld, sondern die Qualität und die Politik.

Wiens Vereinigte Bühnen mit Oper im Theater an der Wien, Musical im Raimundtheater und Ronacher haben eine katastrophale Bilanz vorgelegt: Bei 37,7 Mio. Euro Subvention drohen heuer sechs Mio. Euro Verlust. Die Stadt Wien wird bald mehr zahlen müssen. Das überrascht nicht. Bei der Oper im Theater an der Wien wurden die Kosten falsch eingeschätzt. Das wurde immer dementiert. Offenbar stimmt es doch. Das Ronacher wurde für 47 Mio. Euro zum zweiten Mal saniert. Es geht trotzdem nicht. Der neue VBW-Geschäftsführer Thomas Drozda, SP-nahe, tüchtig, will sich nicht auf die Wirtschaftskrise ausreden. Das ist löblich.

Das Argument, dass jeden Abend 2000 Plätze zu füllen halt nicht leicht sei, hat Drozda schon als Burgtheater-Geschäftsführer gebracht. Da hatte er aber in Klaus Bachler einen klugen künstlerischen Partner. Der fehlt Drozda jetzt, jedenfalls beim Musical. Dort lebt die Intendantin Kathrin Zechner ihre Ideen von Bildungstheater aus und übersieht, dass Musicals sich heutzutage an TV und Performance anpassen müssen. Die Bildsprache von C.S.I. ist das Vorbild, die Musik sollte z.B. wie Beyoncé oder Peter Fox klingen. Altmodische, traurige Nummernrevuen sind out, so gut können sie gar nicht gemacht sein. Zum Glück hält Opernchef Roland Geyer die Stellung. Ganz Wien schwärmt vom Theater an der Wien. Was wird passieren? Nichts. Was die Kultur kostet, war der Stadt schon immer egal. Zahlen eh wir alle.
(Bericht: S. 34)


barbara.petsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2009)