Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Aids-Charity: Medienstreit um den Life Ball

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
  • Drucken

Bei der Life-Ball-Präsentation wurden Motto, Programm und die unterstützten Hilfsprojekte vorgestellt – und öffentlich ein Streit ausgetragen.

Das Wasser war schon in der Drehtür des Hotels Le Meridien zu hören, und man dachte: Das Life-Ball-Motto beginnt schon am Hoteleingang. Der Hotelboy in der Lobby, der den Weg zur Life-Ball-Pressekonferenz zeigte, machte diese Gedanken aber zunichte: „Nein, das Wasserglucksen haben wir schon länger.“ Nur ein Zufall also. Ein netter.

Denn der 17. Life Ball am 16. Mai (zugegeben, eine knifflige Zahlenfolge) steht heuer unter dem Motto „Wasser“. Das Aids-Charity-Event beginnt einen Vier-Elemente-Zyklus, der im Jahr 2012, beim 20. Life Ball, mit dem Feuer zu Ende gehen soll, „und dann gehe ich auch schon auf die Fünfzig zu“, sagte Gery Keszler bei der Pressekonferenz am Mittwoch (eine Anspielung auf seinen Rücktritt?). Einer Pressekonferenz, bei der wenig Neues präsentiert wurde, weil die vermeintlich wichtigen Dinge rund um den Ball seit Wochen bekannt sind: Expräsident Bill Clinton kommt, US-Sängerin Katy Perry kommt, und der Rathausplatz wird gewissermaßen geflutet, soll heißen mit einem Wasserbecken (2,5 Millionen Liter Wasser) rund um Bühne und Laufsteg ausgestattet. Die Pressekonferenz gibt Keszler aber stets ausreichend Gelegenheit, auf Beweggründe und Notwendigkeit des Balls hinzuweisen, den Sponsoren („Die Presse“ ist Medienpartner) zu danken und sie auch zu Wort kommen zu lassen: wie Stadträtin Sonja Wehsely, Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner, Mobilkom-Pressesprecherin Elisabeth Mattes, aber auch – und das geht im Trubel rund um den Ball meist unter – auf die verschiedenen Hilfsprojekte im In- und Ausland hinzuweisen, die der Life Ball mit seinen Einnahmen unterstützt.

Die New Yorker Designer David und Philippe Blond, die für die Pressekonferenz angereist waren, saßen währenddessen stumm (und etwas fadisiert) neben Keszler und kamen erst spät und dann nur sehr kurz zu Wort.


Es wäre also beinahe alles beim Alten geblieben, wenn da nicht ein Medienstreit zwischen Gery Keszler und ATV-Moderator Dominic Heinzl ausgebrochen wäre. Weil Heinzl bei der Berichterstattung im Vorjahr Life-Ball-Gast Niki Lauda „zwei von 100 Minuten Berichterstattung“, wie Heinzl zur „Presse“ sagte, zu Wort kommen ließ, in denen sich der Ex-Formel-1-Fahrer beschwerte, dass sich gerade während der Charitynacht gegen Aids wieder einige durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit HIV infizieren würden, war Keszler beleidigt – und schloss das ATV-Kamerateam diese Woche schriftlich von der Pressekonferenz aus. Das ließ sich Heinzl nicht gefallen und verteilte am Mittwoch vor dem Le Meridien Flugzettel, auf denen er auf seinen Ausschluss von der Pressekonferenz hinwies. Und auch darauf, wie viele Minuten Vor- und Nachberichterstattung ATV 2008 über das Charity-Event ausstrahlte und dass der Privatsender im Vorjahr auch Sponsor der Veranstaltung war. Gery Keszler nahm während der Pressekonferenz zu Heinzls Flugzettelaktion Stellung. „Wenn der Heinzl draußen wie ein Paparazzo herumrennt, sieht man erst, was für ein Hecht im Karpfenteich er sein will.“ Keszler habe sich über „die patscherte Aussage“ vom Niki Lauda geärgert, weil „solche Aussagen Öl ins Feuer reaktionärer Kräfte gießen“. „Die Pressefreiheit steht über allem, ich möchte niemanden ausgrenzen“, setzte er fort. Aber Heinzl hätte Zeit genug gehabt, sich zu entschuldigen und zuzugeben, dass er „übers Ziel hinausgeschossen hat“.

Heinzl erfuhr von diesen Aussagen aus der Austria Presse Agentur und sagt zur „Presse“: „Er lügt.“ Man habe nicht, wie Keszler sagt, den gesamten Life Ball in den Dreck gezogen. Die Vermutung, dass sich die Wogen bis zum Ball legen werden, stellten einige Kollegen an. Sowohl Keszler als auch Heinzl stimmten auf Nachfrage mildere Töne an, man werde sich da vielleicht einigen können. Was einleuchtet. Schließlich wollen beide etwas vom anderen. Und wenn das nur über einen kleinen Streit in der Öffentlichkeit zu erreichen ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2009)