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Israelische Regierung geht gegen kritische Theater vor

Likud legislator Regev looks out a car window in Netanya
Kulturministerin Miri Regev(c) REUTERS (Amir Cohen / Reuters)
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Die neue Regierung will Kultureinrichtungen die Förderung streichen, wenn diese "den israelischen Staat schädigen".

Die Theaterszene in Israel gerät unter den Druck der neuen israelischen Regierung, die im Mai aus rechten und religiösen Parteien gebildet wurde. Kulturministerin Miri Regev, eine Politikerin vom rechten Rand der Likud-Partei, drohte am Mittwoch im Armee-Radio mit "weiteren Mittelstreichungen für Kultureinrichtungen, die den israelischen Staat schädigen".

Am Tag zuvor hatte sie die Streichung der Finanzmittel für ein arabisch-jüdisches Kindertheater angekündigt. Bildungsminister Naftali Bennett, Chef der nationalreligiösen Partei Jüdisches Heim, entschied ebenfalls am Dienstag, das Theaterstück "Parallelzeit" des arabischen Theaters Almidan (Der Platz) aus Haifa von der Liste der Stücke zu streichen, deren Aufführungen in Schulen vom Bildungsministerium gefördert werden. Das Stück basiert auf einer Erzählung, die der arabische Israeli Walid Daka im Gefängnis schrieb, wo er lebenslänglich wegen der Entführung und Ermordung eines Soldaten im Jahr 1984 einsitzt.

Obwohl eine Fachkommission des Ministeriums vergangene Woche erneut zu dem Schluss kam, der Inhalt des Stücks sei ausgeglichen und nicht zu beanstanden, entschied Bennett, der im Mai vom Wirtschafts- ins Bildungsministerium wechselte, die Streichung von der Förderliste. Zugleich kündigte er an, er werde die Kommissionsmitglieder vorladen, um deren moralischen Grundsätze zu prüfen. "Die israelischen Steuerzahler werden keine Stücke fördern, welche die Ermordung von Soldaten tolerieren", befand der Minister.

Auftritt abgesagt, Mittel gestrichen

Kulturministerin Regev, die seit Jahren mit rassistisch geprägten Bemerkungen von sich reden macht, gab am Dienstag die Streichung aller Fördermittel für das Kindertheater Elmina (Der Hafen) in Jaffa bekannt, einem vornehmlich von Arabern bewohnten Stadtteil Tel Avivs. Damit bestrafte sie den populären Schauspieler Norman Issa, der das Theater gemeinsam mit seiner jüdischen Frau gegründet hatte, um das Zusammenleben der Volksgruppen zu fördern.

Issa hatte den Zorn der im Mai berufenen Ministerin dadurch hervorgerufen, dass er einen Auftritt in israelischen Siedlungen im besetzten Jordantal ablehnte. Issa hatte als Gastschauspieler des Stadttheaters Haifa dort auftreten sollen. Er erklärte dazu auf Facebook an Regev gerichtet: "Mein Theater fördert Verständigung, gegenseitige Akzeptanz und praktische Koexistenz. Aber Sie können von mir als arabischem Israeli nicht verlangen, dass ich gegen mein Gewissen an umstrittenen Orten auftrete."

Regev erklärte am Mittwoch, sie werde Issas Kindertheater erst dann wieder fördern, wenn dieser bereit sei, im Jordantal aufzutreten. Die von dem Theatermacher "beschworene Koexistenz endet ja nicht in Jaffa", sagte sie im Radio. Am Vorabend hatte sie unter zahlreichen Buhrufen bei der Eröffnung eines Filmfestivals in der südisraelischen Stadt Sderot verkündet, sie werde "alle Fördermittel zugunsten derer umlenken, die den Staat Israel nicht in Frage stellen und keine Munition für unsere Feinde liefern".

 

(APA/AFP)