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Pionierin am Donaukanal: Zehn Jahre Strandbar Herrmann

Zehn Jahre Strandbar Herrmann: Die Bar bei der Urania hat die Belebung des Donaukanals losgetreten (Aufnahme aus dem Jahr 2009).
Zehn Jahre Strandbar Herrmann: Die Bar bei der Urania hat die Belebung des Donaukanals losgetreten (Aufnahme aus dem Jahr 2009).(c) Teresa Zötl
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Im Juni 2005 eröffnete das Lokal und stand damit am Anfang der Belebung des Donaukanals. Heute sind die Ufer heillos überlaufen, neue Projekte dennoch geplant.

Wien. Im Nachhinein überrascht es fast, dass es so lang gedauert hat. Dass man den Donaukanal erst 2005 (dann dafür ziemlich schnell) als das entdeckt hat, was er heute ist: ein großer, innerstädtischer Freizeitraum nämlich, sehr zentral gelegen, mit bestem Blick auf das Wasser (wenn auch zugegebenermaßen nicht auf das allerschönste).

Im Juni 2005, vor zehn Jahren also, hat die Strandbar Herrmann am Donaukanal-Ufer gleich hinter der Urania eröffnet – und gilt damit als Pionierin, die die Belebung des Donaukanals richtig losgetreten hat. Auch wenn die Strandbar-Herren Rudi Konar und Alexander Kaiser streng genommen nicht die Ersten waren (die Summerstage flussaufwärts auf Höhe Rossauer Lände gibt es bereits seit 20 Jahren, das Clublokal Flex ebenso): „Die Strandbar war sicherlich der Eisbrecher, die Initialzündung“, sagt Stadtforscher Peter Payer, der ein Buch zum Thema („Der Donaukanal: Die Entdeckung einer Wiener Stadtlandschaft“) geschrieben hat.

Das Timing war ein gutes: Denn in etwa zu der Zeit, als Konar und Kaiser sich um die gastronomische Nutzung des Herrmannparks bemühten, beschloss auch die Stadt, den Kanal zu beleben: Mit einem eigenen Donaukanal-Koordinator, der sich offensiv nach Interessenten umsah, die sich an den Ufern ansiedeln sollten. „Die Stadt hat das Potenzial des Donaukanals lang nicht gesehen“, sagt Stadtforscher Payer.

Und als sie es doch tat, vergingen von der Strandbar-Idee bis zur Eröffnung zwei (mühsame) Jahre voller Behördenwege. Auch, weil alles so neu war. „Keiner wusste so recht“, sagt Ko-Chef Konar, „was eine Strandbar überhaupt sein soll.“ Erwartet hat den Aufschwung des Kanals kaum jemand: „Vor der Eröffnung haben uns alle gefragt: Wer soll denn da hinkommen?“, erzählt Konar. „Als wir am Eröffnungsabend leer getrunken waren, haben es dann natürlich alle immer schon gewusst.“

In der Zeit, in der die Strandbar aufsperrte, waren zwei weitere spätere Fix-Institutionen schon in Planung: das Badeschiff, das die in der Zwischenkriegszeit beliebte Pool-im-Kanal-Idee wiederbelebt hat, und die Adria Wien.

 

Wienfluss trifft Kanal

Neu war an der Strandbar Herrmann anno 2005 nicht nur die Lage – hier hat man einen „sinnlich herausragenden Ort gewählt“, sagt Stadtforscher Payer, „der durch das Zusammentreffen von Wienfluss und Donaukanal speziell ist.“ Gebracht haben die Herrmann-Herren auch die Liegestühle und den Sand, beides abgeschaut von einem Projekt in Berlin-Mitte. Ein bisschen Urlaubsflair mitten im Großstadtleben, das in der Folge in Wien vielfach kopiert wurde.

Heute, zehn Jahre später, ist der Donaukanal dank zahlreicher Lokale so belebt, dass es an Sommerabenden sogar ziemlich eng geworden ist. Radfahrer, Jogger, Fußgänger und Gäste, die abseits der Lokale am Ufer sitzen, kommen sich da mitunter ein wenig in die Quere. Die Mitbewerber sieht man ob der Menschenmassen daher auch nicht als Konkurrenz: „Jedes neue Lokal bringt noch mehr Belebung“, sagt Konar. „Problematisch ist das eher für die Lokale, die nicht am Donaukanal liegen.“

Gastronomisch gesehen ist der Donaukanal fast voll: Der Masterplan, den die Stadt 2010 erstellt hat, um die Balance aus konsumfreien Flächen und Gastronomie zu halten, sieht kaum noch Platz für Lokale vor, „und das ist gut so“, sagt Donaukanal-Koordinator Bernhard Engleder. „Die Bespielbarkeit ist ausgereizt, es muss weiterhin konsumfreie Flächen geben.“ Begehrlichkeiten gibt es dennoch: Zwischen Otto-Wagner-Schützenhaus und Augartenbrücke, auf einer der wenigen Grünflächen, soll ein Lokal entstehen, gegen das sich bereits eine Bürgerinitiative („Donaucanale für Alle“) formiert hat. Als Grünfläche gewidmet, ist an dem Standort eigentlich kein Platz für ein Lokal. Der Gestaltungsbeirat der Stadt soll in etwa zwei Monaten entscheiden, ob es dennoch machbar ist.

Alternativ gebe es nur zwei Standorte: zwischen Salztor- und Marienbrücke, ebenso auf der anderen Uferseite, wo das Partyschiff Buho Verde ausgebrannt ist. Auf Höhe des Schützenhauses, dort, wo die alte Kaiserbadschleuse als Betonklotz im Kanal sitzt, sind drei „schwimmende Gärten“ geplant, die das Ufer mit der Schleuse verbinden sollen. Heuer wird das Projekt aber nicht mehr umgesetzt.

 

Strandbar an der Copa Cagrana

Besonders macht den Donaukanal für Stadtforscher Payer die Tatsache, dass man in einer sonst eher überregulierten Stadt „ohne Absperrung, ohne Geländer“ direkt am Wasser sitzen und gehen kann. „Das ist eine Qualität, die man nur an wenigen Orten hat.“ An der Copa Cagrana etwa, die mit dem Donaukanal vergleichbar und doch alles andere als eine Erfolgsgeschichte ist.

Wer weiß, wie es der Copa Cagrana ergangen wäre, hätte sich die Strandbar dereinst dort angesiedelt. War das je ein Thema? „Ist es immer noch“, sagt Konar. Eine Strandbar an der Neuen Donau würde die Betreiber reizen. Man habe bereits bei der Stadt vorgefühlt, Reaktion gab es noch keine. Die Umsetzung guter Ideen kann in Wien bekanntlich dauern.

Auf einen Blick

Die Strandbar Herrmann (3., Herrmannpark, Abgang bei der Urania), feiert ab Freitag ihren zehnten Geburtstag. Eröffnet werden die Feierlichkeiten vom Zauberer Philipp Kainz (16 Uhr), gefolgt von einem Speedband-Contest (18 Uhr). Samstag wird ab 13 Uhr gefeiert, Highlight ist Nino aus Wien (20 Uhr). Mit dem Public Viewing des EM-Quali-Spiels Russland-Österreich (So., 18 Uhr) endet das Fest. Programm: www.strandbarherrmann.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2015)