Jon Snow

"Game of Thrones": Staffel fünf, Folge zehn

Das Finale der fünften Staffel "Mother's Mercy" ist pechschwarz. Tränen wurden vergossen. Wie kann es mit "Game of Thrones" jetzt weitergehen?

SPOILERWARNUNG: Ich blogge zu jeder "Game of Thrones-Folge und verrate Details zur Handlung. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

"He always comes back", sagt Samwell Tarly in der Folge "The Dance of Dragons" über Jon Snow. Diesmal wohl nicht. Im Finale der fünften Staffel "Game of Thrones" sehen wir Jon Snow tot im Schnee liegen. Seine Augen sind geöffnet, aber es gibt kein Zeichen eines "Wargings", eines Schlüpfens in Ghosts Geist. Der Direwolf ist nicht zu sehen, auch kein Riese und nicht Melisandre, die zurück an die Wall gekehrt ist. Jon Snows Tod am Ende der Folge "Mother's Mercy" ist der Schlusspunkt dieser tiefschwarzen Staffel, mit der "Game of Thrones" nun die Buchvorlage "A Song if Ice and Fire" endgültig überholt hat.

In dieser ist Jons Schicksal vergleichsweise offen. "He never felt the fourth knife. Only the cold ...", heißt es darin. In der Serie sind es nicht vier, sondern sechs Messer, die ihn treffen. Meuterei vor einem Kreuz, auf dem "Traitor" steht. "For the watch", sagen die Brothers, darunter auch Alliser Thorne. Die letzte Klinge, jene des Kindes Olly, trifft ihn ins Herz. Und wohl auch in das vieler Zuseher. Ich habe ein paar Tränen vergossen.

"And now his watch is ended"

Eine Auferstehung dieser Figur, neben Tyrion und Daenerys meiner liebsten, scheint unwahrscheinlich. "I'm done, I'm dead", sagte Schauspieler Kit Harington nach Ausstrahlung der Folge. Fans klammern sich trotzdem an der Hoffnung fest, dass die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss sie austricksen, dass aus Jon doch noch Azor Ahai wird, der wiederauferstandene Held, für den Melisandre fälschlicherweise Stannis gehalten hat. Eines ist jedenfalls gewiss: "And now his watch is ended."

"What's worse than mutiny?"

Die gesamte Folge, eigentlich die gesamte Staffel, zielte auf diesen Tod hin. "It can't be worse than mutiny" sagt Stannis noch, ehe er seine Frau Selyse tot an einem Ast baumeln sieht. Auch er stirbt, nachdem sein hoffnungslos unterlegenes Heer von den Männern der Boltons besiegt wird. Aber kein Bolton tötet Stannis (auch wenn das offscreen passiert, ich kann mir nicht vorstellen, dass er überlebt), sondern Brienne. Sie verurteilt ihn wegen des Mordes an seinem Bruder Renly und vollstreckt ihr Todesurteil. "Go on, do your duty", weist Stannis die Ritterin noch an. Ganz der aufrechte Mann, bis in den Tod.

Das ist noch so eine grausame Wendung, dass Brienne, von Rache angetrieben, Sansas Hilferuf verpasst. Aber Theon/Reek ist zur Stelle und rettet sie. Die beiden springen Hand in Hand von der Mauer Winterfells. In die Freiheit oder in den Tod. Je nachdem, ob der Schnee hoch genug liegt. Aber wo können sie hin? Nach Castle Black nicht, dort haben sie keine Freunde mehr.

Denn auch Samwell Tarly kehrt der Wall den Rücken. Sein Abschied erinnert mich an jenen von Jon und Robb Stark in Winterfell. Sam reist mit Gilly und dem Baby nach Oldtown, um ein Maester zu werden. "To your return", stoßen Jon und Sam noch an. Vielleicht kann Sam dort ein Mittel gegen die White Walker finden, die mit der "biggest army in the world" näherkommen. Es bräuchte einen Berg von Dragonglass - oder valyrischem Stahl - um sie zu bezwingen.

(c) HBO

"We have to go home"

Oder Drachen. "We have to go home", bittet Daenerys von einem Hochplateau, das real wohl in Schottland liegt. Dort hat Drogon sein Nest. Menschenknochen habe ich keine gesehen. Der schwarze Drache ist sichtlich angeschlagen, also geht Daenerys alleine los, nur um von einem gigantischen Khalasaar eingekreist zu werden. Ihre beiden ungleichen Verehrer, Jorah Mormont und Daario Naharis sind noch nicht zur Stelle.

Wird aus der Mheesa wieder eine Khaleesi? Oder geht sie tatsächlich zurück nach Meereen, wo Tyrion gemeinsam mit Grey Worm und Missandei die Stadt befrieden soll. Das macht Tyrion zur Abwechslung sprachlos. Nicht so Varys Rückkehr. Tyrion spricht wohl für eine breite Zuseherschaft, wenn er sagt: "I did miss you."

Es ist der Serie hoch anzurechnen, dass sie mich trotz all dem Schrecken und der Grausamkeiten zwischendurch trotzdem noch zum Lachen bringt.

"Forgive me, child."

Und dass sie auf eine unsentimentale Art rührend sein kann. Wie in der kurzen Szene zwischen Jaime und Myrcella, in der er ihr gestehen will, dass er ihr Vater ist. Sie weiß das schon. Ihr "I'm glad that you're my father" macht ihn nur kurz glücklich, bricht sie doch sterbend zusammen. Ellaria Sand hat sie mit einem "Judaskuss" vergiftet. Gift und Gegengift, das sind die Waffen der Sand Snakes. Ellaria hat damit ihren Neffen Trystane mit großer Wahrscheinlichkeit in den Tod geschickt.

"I am Arya Stark and you are no one"

Der Tod. Er ist vielleicht das eigentliche Thema von "Game of Thrones". Wenn Ramsay Bolton lustvoll seine am Boden liegenden Gegner mordet, finden wir das abschreckend. Und wenn Arya Stark Meryn Trant mit dem Gesicht einer anderen austrickst und regelrecht abschlachtet? Da ist trotzdem ein wenig Genugtuung dabei. Er war der erste auf ihrer Liste. "I am Arya Stark and you are no one, you're nothing", schmettert sie ihm entgegen. Sie blendet ihn und wird von Jaqen H'ghar blind gezaubert, zumindest bleiben sie beide am Leben, wer den Preis des Todes zahlt, erfahren wir nicht. Die Anhänger des Manyfaced God glauben, Gerechtigkeit im Tod zu erkennen. Welche Illusion.

(c) HBO

Cerseis Abbitte

Der Tod ist nicht gerecht und die Gerechtigkeit in Westeros ist es auch nicht. Cersei gesteht Ehebruch, aber sie verrät die Vaterschaft ihrer blonden Kinder nicht. Schlau, sie würde Tommen in Gefahr bringen. "I want to be clean again", sagt sie. Freilich schmiedet sie Ränke, wieder an den Königshof zurückzukehren und Rache zu üben. Der High Sparrow, der Mann, der sich für die Armen einsetzt, straft sie auf auf grausame Weise. Am Ende ihres Ganges durch die Stadt - nackt, mit abgeschorenen Haaren und Exkrementen beschmiert - ist sie dennoch gebrochen. Ihre Abbitte ist nicht gerecht, sie ist unwürdig.

Jon Snows Tod

Wie kann "Game of Thrones" nach Jon Snows Tod weitergehen? So wie es nach dem Tod von Ned, von Robb und von Joffrey weiterging. So wie das Leben weitergeht. Wie die Autoren diese Lücke schließen, das wird eine Herausforderung. Ebenso wie die Sympathien der Zuseher für diese brutale Serie zu erhalten, die in letzter Zeit viel Kritik eingesteckt hat.

In den englischen Foren gibt es ein Wort für jene Leser, die das Offensichtliche nicht wahrhaben wollen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass eine Geschichte anders weitergehen wird, auch wenn keine Hoffnung besteht. Dass eine tote Figur wieder aufersteht: "Delusional". Wie kann Jon Snow sterben, wo doch das große Mysterium um seine Person noch nicht gelöst ist: Wer ist Jon Snows Mutter? Nennt mich delusional.

Das letzte Wort hat George R.R. Martin, der nach der Folge twitterte:

Zitate der Woche

  • Jon Snow zu Sam: "I'm glad the end of the world's working out well for someone."
  • Dario zu Tyrion: "So mainly you talk." Tyrion: "And drink."

Body count: Wer in Staffel fünf starb

  • Jon Snow
  • Stannis Baratheon (mutmaßlich)
  • Myrcella Baratheon
  • Shireen Baratheon
  • Selyse Baratheon
  • Mance Rayder
  • Barristan Selmy
  • Hizdahr zo Loraq
  • Maester Aemon
  • Meryn Trant
  • Myranda, Ramsays Geliebte
  • Lord of Bones

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>> "Game of Thrones"-Episodenblog

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.