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Über Gott und die Umwelt: Papst veröffentlicht Enzyklika

Papst Franziskus veröffentlicht eine Enzyklika über
Papst Franziskus veröffentlicht eine Enzyklika über "die Verantwortung für unser gemeinsames Wohl".(c) APA/EPA/ALESSANDRO DI MEO
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Das erste von Franziskus allein verfasste Rundschreiben hat die Umwelt zum Thema. Eine durchgesickerte, erste Version ist im Internet zu lesen.

Sechs Monate vor dem UNO-Klimagipfel in Paris erscheint am Donnerstag die Enzyklika des Papstes zu Umweltfragen. Die erste allein von Franziskus erarbeitete Enzyklika, die auf Italienisch verfasst wurde, trägt den Titel "Laudato sii" (Gelobt seist du). Damit greift der Papst die Worte aus dem "Sonnengesang" seines Namenspatrons Franz von Assisi (1182-1226) auf.

Mit der Namensgebung für seine erste Enzyklika suche der argentinische Papst erneut den Brückenschlag zum Gründer der franziskanischen Spiritualität, hieß es im Vatikan. Dem Vernehmen nach trägt das Rundschreiben den Untertitel "Über die Verantwortung für unser gemeinsames Wohl". Das Lehrschreiben soll etwas kürzer werden als das Pontifikatsprogramm "Evangelii gaudium" vom November 2013, das etwa 90 Seiten hat. Die Erwartungen sind hoch, da kein Papst bisher in diesem Rahmen, systematisch und ausführlich auf die Zukunftsfrage der Menschheit wie die Umwelt eingegangen war.

"Bewahrung der Schöpfung"

Nach Angaben des Vatikan befasst sich das Kirchenoberhaupt in der Enzyklika nicht nur mit ökologischen Fragen, sondern auch mit der "Bewahrung der göttlichen Schöpfung". Der Papst kritisiert darin die Rücksichtslosigkeit des Menschen gegenüber der Natur sowie den ausufernden Konsumismus und Kapitalismus. Zudem wende er sich gegen die Nutzung der Atomenergie. Franziskus ließ sich für die Enzyklika von zahlreichen Experten und Wissenschaftlern beraten.

In der Enzyklika wird der Papst laut Gerüchten auch den "Sonnengesang" kommentieren, ein Lob der Einheit von Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Der argentinische Pontifex hatte zuletzt in seinen Ansprachen immer wieder vor bleibender Umweltzerstörung durch umstrittene Infrastrukturprojekte und Erdölexplorationsmethoden gewarnt. Er hatte auch in "Evangelii gaudium" eindringliche ökologische Passagen eingearbeitet.

Inoffizielle Version durchgesickert

Drei Tage vor der offiziellen Veröffentlichung der Umweltenzyklika stellte die römische Zeitschrift" L'Espresso" eine inoffizielle Fassung des Schreibens ins Internet. Der 192 Seiten umfassende Text in italienischer Sprache ließ sich als Faksimile von der Internetseite der Zeitschrift herunterladen. Es handle sich um eine erste Version der Vatikan-Druckerei, die vor einigen Tagen wegen notwendiger Korrekturen eingestampft worden sei, teilte die Zeitschrift mit. Der Vatikan erwiderte, dass der von "L'Espresso" veröffentlichte Text nicht die endgültige Fassung der Enzyklika sei. Für diese gelte weiterhin das Embargo bis Donnerstag, so Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in einer Erklärung. Er appellierte an die "journalistische Korrektheit" und bat die Medienvertreter den offiziellen Termin abzuwarten.

Dem inoffiziellen Text zufolge benennt die Enzyklika in einem ersten Kapitel globale Gefahren wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Trinkwasserknappheit und einen Rückgang der Biodiversität sowie die sozialen Probleme, die daraus entstehen. Dem wird in einem zweiten Kapitel eine christliche Schöpfungslehre aus biblischer Sicht entgegengestellt.

Umweltschutz zentrales Anliegen

Der Pontifex äußert sich regelmäßig zu Umweltfragen. Nach dem UNO-Klimagipfel in Lima hatte er die Regierungen zu mehr Mut im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Vor einigen Wochen erinnerte er die "Mächtigen der Welt" daran, dass sie sich eines Tages vor Gott rechtfertigen müssten, falls sie den Umweltschutz vernachlässigten.

Der argentinische Papst hatte im Juli 2013 seine erste Enzyklika vorgelegt. Das Rundschreiben zu grundlegenden theologischen Fragen mit dem Titel "Lumen Fidei" (Licht des Glaubens) wurde von Franziskus auf der Grundlage von Aufzeichnungen seines Vorgängers Benedikt XVI. vollendet. Im November 2013 erschien ein Apostolisches Schreiben des Papstes mit dem Titel "Evangelii Gaudium" (Freude des Evangeliums).

(APA)