VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Piëch will offenbar die Porsche AG an Volkswagen verkaufen. Porsche-Chef Wiedeking setzt dagegen angeblich auf eine Fusion. Nächste Woche soll es zu einer Entscheidung kommen.
Im Milliardenpoker zwischen Porsche und VW setzt Ferdinand Piëch Medienberichten zufolge auf einen Verkauf des Autogeschäfts der Stuttgarter an Volkswagen. Der VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär habe sich mit dem Konzept bei einem Treffen des Piëch-Porsche-Clans am Mittwoch noch nicht durchsetzen können, berichteten "Der Spiegel" und "Focus" übereinstimmend. Nun solle am Mittwoch nächster Woche entschieden werden, schrieb das Münchner Blatt weiter. Porsche wollte dies am Samstag nicht kommentieren.
Der Sportwagenhersteller hat sich bei der Übernahme von VW offenbar verhoben. Piëch wolle nun die Porsche AG für elf Milliarden Euro an VW verkaufen, schrieb "Focus". Damit wären die Familien auf einen Schlag schuldenfrei. Ausgearbeitet habe den Plan der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, der nach dem Willen von Piëch auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ablösen solle.
Gegenkonzept von Wiedeking
Dieser wiederum präsentierte bei dem Familientreffen am Mittwoch ein Gegenkonzept, nämlich laut "Spiegel" eine Fusion von Porsche und Volkswagen. "Das neue Unternehmen würde sich dann durch eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen. An ihr soll sich das Golf-Emirat Katar beteiligen, das neben den Familien und dem Land Niedersachsen zum dritten Großaktionär von VW würde. Aber auch die Familien müssten mehrere Milliarden Euro einbringen", berichtete das Hamburger Nachrichtenmagazin.
"Focus" schrieb, die Eigentümer sollten die Finanzmittel für eine Kapitalerhöhung aufbringen. Wiedeking habe den Plan aufgegeben, 75 Prozent der VW-Anteile zu erwerben und einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag anzustreben. Angesichts der finanziellen Risiken wolle er sich nun mit der Rolle eines starken, aber nicht gänzlich dominierenden Großaktionärs begnügen.
Die Stuttgarter hatten Anfang des Jahres die Beteiligung an Volkswagen auf fast 51 Prozent aufgestockt und wollen sie in diesem Jahr eigentlich auf 75 Prozent erhöhen. Unter normalen Umständen könnte Porsche dann einen Beherrschungsvertrag abschließen und hätte Zugriff auf den Bargeldbestand bei VW von 10,7 Milliarden Euro. Wegen des VW-Gesetzes aber hat das Land Niedersachsen mit knapp über 20 Prozent Aktienanteil eine Sperrminderheit und kann so den Zugriff verhindern.
Wiedeking erklärte am Samstag, der Vorstand der Porsche-Holding SE sei nicht nur den Familienaktionären verpflichtet, "sondern allen Aktionären, dass heißt auch den Vorzugsaktionären der Porsche SE, den Aktionären von VW und selbstverständlich auch den jeweiligen Belegschaften". Einem Sprecher zufolge sagte er weiter, die Holding habe sich bisher am gemeinsamen Interesse aller ausgerichtet. Das werde auch in Zukunft so sein.
Tickt bei Porsche "eine Zeitbombe"?
Die finanzielle Lage bei Porsche ist nach Darstellung des "Spiegels" ernster als bisher bekannt. Nach Angaben aus Bankenkreisen müsse das Unternehmen nicht nur binnen weniger Monate neue Finanzierungsmöglichkeiten für 3,3 Milliarden Euro finden. Es ticke zudem "eine Zeitbombe". Porsche habe zur Finanzierung der VW-Übernahme Optionsgeschäfte abgeschlossen, deren Nennwert zum 31. Juli 2008 sich auf 57 Milliarden Euro belaufen habe. Lasse das Unternehmen die Optionskontrakte auslaufen, würden die Banken im Gegenzug VW-Aktien verkaufen und den Kurs damit auf Talfahrt schicken. Porsche drohten Abschreibungen in Milliardenhöhe.
(Ag.)