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EU-Wahl: Grüne gegen "Kulturkämpfe"

Cohn-Bendit
(c) EPA (Mathieu Cugnot / Asa-pictures)
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Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wien mit dem Chef der Europäischen Grünen, Daniel Cohn-Bendit, kam es zu Störaktionen. FP-Chef Strache bezeichnete den Politiker im Vorfeld der Veranstaltung als "Kinderschänder".

Der Chef der Europäischen Grünen, Daniel Cohn-Bendit, ist am Samstag bei einer EU-Wahlkampfveranstaltung der Grünen in Wien zum Thema "Europa. Multikulti und die Rechten" aufgetreten. Man werde bis zum Ende dafür kämpfen, dass dieses Europa erhalten bleibe, betonte Cohn-Bendit. Es gehe ihm "auf den Senkel", wenn Menschen immer fragten: "Was haben wir von Europa." Die Antwort sei in der Geschichte zu suchen. Europa sei gleichzusetzen mit Frieden. Der Grüne Spitzenpolitiker setzte sich auch für ein Fortführen der Verhandlungen zwischen der EU und der Türkei ein.

Die österreichische Spitzenkandidatin für die Europawahl, Ulrike Lunacek, erklärte, dass man gegen jene sei, die "Hasstiraden" in die Welt setzten. Man wolle die Grenzen in den Köpfen der Menschen öffnen und nicht schließen, so wie dies das BZÖ oder die FPÖ wollten: "Nein zu Kulturkämpfen". Die Grünen seien gegen das "Jeder gegen Jeden"-Prinzip, und die "Mir san Mir"-Menatalität sei gefährlich.

Bei der Veranstaltung kam es auch zu Störaktionen. Einige mit Sonnenbrillen ausgestattete Jugendliche versuchten, die Rede von Cohn-Bendit mit Zwischenrufen zu stören. Dieser entgegnete den vermutlich aus der rechten Szene Kommenden: "Halt die Klappe, du bekommst sonst Durchfall".

Strache: "Cohn-Bendit Pädophiler"

Angesprochen auf persönliche Angriffe durch anderer Politiker sagte Cohn-Bendit am Rande der Veranstaltung, dass man darauf nicht reagieren solle. Er sei schon als "Drecksjude" und vieles mehr beschimpft worden, aber er habe noch nie einen anderen Politiker deshalb geklagt. In diesem Bezug müsse man die "Wahnsinnigen wahnsinnig sein lassen".

FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache hatte Cohn-Bendit im Vorfeld der Veranstaltung als "Pädophilen" bezeichnet. Das Auftreten des "bekennenden Kinderschänders" sei "eine Provokation für die anständigen Menschen in dieser Stadt und zeichnet zudem ein Sittenbild des moralischen Zustandes der grünen Parteiführung", heißt es in einer Aussendung Straches vom Samstag.

Strache erinnerte in seiner Presseaussendung an Äußerungen Cohn-Bendits aus den 1970er-Jahren, von denen sich der Grünen-Politiker später distanziert hatte: "Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: 'Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?' Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt!"

Cohn-Bendit, der damals Betreuer in einem alternativen Frankfurter Kindergarten war, hatte in dem 1975 erschienenen Buch "Le Grand Bazar" derartige Szenen beschrieben. Er bestritt allerdings, dass diese in jedem Detail persönlich gelebte Wirklichkeit widerspiegelten. Es seien eine provokante "Verdichtung" von Erlebnissen gewesen. Und er verwies darauf, dass die 68er-Bewegung außer den traditionellen Autoritäten auch die Tabus beim Thema Sexualität von Kindern in Frage gestellt habe. Heutzutage würde "niemand mehr so etwas schreiben", erklärte er 2001.

 

(APA)