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Artenschutz: USA schützen alle Schimpansen

(c) FABRY Clemens
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Bisher genossen nur die Tiere in freier Natur höchsten Schutz, demnächst gilt er für alle, auch für die 730, die in Forschungslabors gehalten werden.

Ab 14. September gelten für die USA alle Schimpansen als gefährdet, nicht nur die 172.000 bis 300.000, die sich noch in Wäldern Afrikas halten, sondern auch die 730, die in den USA in Labors gehalten werden: In Hinkunft wird jeder, der an ihnen forschen will, die Erlaubnis des Fish and Wildlife Service (FWS) einholen müssen, und das wird sie nur erteilen, wenn die Forschung „direkt und substanziell zur Erhaltung der Schimpansen in der Natur beiträgt“.

Das erklärte FWS-Direktor Dan Ashe in Washington, er bedauerte zudem eine frühere Entscheidung seiner Behörde: 1990 hatte sie Schimpansen in die höchste Gefährdungsstufe eingereiht („endengared“), aber das galt nur für in der Natur lebende Tiere, die in Gefangenschaft – Labors, Zoos, Zirkussen, Haushalten, insgesamt 1750 – erhielten schwächeren Schutz („threatened“). Das hatte zumindest zwei Hintergründe: Zum einen hoffte der FWS, durch Züchtung im eigenen Land den Druck auf wilde Schimpansen zu mildern. Zum anderen gab es starken Druck seitens der pharmazeutischen Industrie, die damals noch auf einen Impfstoff gegen HIV hoffte – er ist nie gelungen – und auf Schimpansen nicht verzichten zu können glaubte.

 

Petition von Jane Goodall

Die Aufspaltung einer Art in threatened/endangered war präzedenzlos, sie half den wilden Schimpansen nicht. 2010 brachten Tierschutzorganisationen, darunter das Jane Goodall Institute, eine Petition ein, auch gefangene Schimpansen unter höchsten Schutz zu stellen, das wurde jetzt getan. Es ist der zweite große Schritt in kurzer Zeit: 2013 beschloss die US-Gesundheitsbehörde NIH, die meisten der von ihr gehaltenen Schimpansen ins Ausgedinge zu entlassen.

Ob ein dritter Schritt kommt, ist in Schwebe: Vor einem Gericht in New York läuft eine Klage, die Schimpansen in den Status von Rechtspersonen heben will, die Entscheidung fällt demnächst.

Die Reaktionen auf die jetzige Regierungsentscheidung der USA kamen teilweise wie erwartet: Jane Goodall, die bei Schimpansen nicht mehr von „animals“ spricht, sondern von „chimpanzee beings“, feierte den „entscheidenden Tag“. Aus Labors hingegen kam nur milder Protest: Vor allem für die Pharmaindustrie sind Schimpansen eher uninteressant geworden. Bedroht allerdings sind nun Forschungen wie die von Susan Larson, die an der Stony Brook University an Schimpansen erkundet, wie sich der Mensch auf zwei Beine erhob.

Und die Schimpansen selbst? Werden sie die Entscheidung feiern, mit einem Umtrunk gar? Sie greifen durchaus zu Alkohol, das hat sich eben an wilden Schimpansen gezeigt: In Guinea stehlen sie Palmwein (Royal Society Open Science 9.6.). Und an wilden Schimpansen ist auch das jüngste Rätsel aufgefallen: Anders als die engst verwandten Bonobos hantieren Schimpansen, so wie Menschen, schon als Junge gern mit Werkzeugen (Scientific Reports 16.6.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2015)