Als ginge es ihnen nicht schon schlecht genug: Die Autohersteller verkauften im April in den USA um 34 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr. Nach Chrysler wird jetzt eine Insolvenz von GM immer wahrscheinlicher.
Eine Verschrottungsprämie vom Staat haben die US-Amerikaner noch nie gebraucht, um alle paar Jahre ein neues Auto zu kaufen. Das Fahrzeug wechselte man öfter als die Waschmaschine. Doch jetzt ist es damit vorbei. Die US-Bürger sparen, und am dramatischsten wirkt sich das auf die verwöhnte Autoindustrie aus: Im April verkauften sie in den Vereinigten Staaten um 34 Prozent weniger Autos als im April des Vorjahres, Chrysler gar nur die Hälfte. Es wird wohl nicht lange dauern, bis man auch in den USA über eine staatliche Prämie beim Autokauf reden wird.
Der Rückgang hat für alle Autohersteller verheerende Folgen, weil die USA der größte Markt der Welt sind. 16 Millionen Pkw, SUV und Pickups wurden hier jährlich verkauft. Mit solchen Traumzahlen ist es heuer vorbei. Die Lager der Hersteller sind voll, die Parkplätze überfüllt. Dafür können sich die Hersteller von Mofas und Kleinmotorräder ebenso über steigende Absatzzahlen freuen wie Radverkäufer. Außerdem wird im Land der Autofahrer mehr und mehr zu Fuß gegangen.
Ford gewinnt Marktanteile. Dass Ford seine Situation noch als „relativ gut“ bezeichnet, zeigt nur, wie schlecht es um die Autohersteller bestellt ist: Der Konzern machte im April ein Minus von 32 Prozent. Trotzdem freute man sich, dass man den Marktanteil ausbauen konnte. Mittlerweile ist man in den USA wieder die Nummer zwei – vorübergehend hatte Toyota diese Position inne.
Die Nummer eins auf dem amerikanischen Markt blieb General Motors mit einem Anteil von 21 Prozent. Früher einmal hielt man mehr als 50 Prozent. Und die Zahlen gehen weiter nach unten: minus 34 Prozent im April. Schlechter war nur noch Chrysler, das Ende der Woche in ein Chapter-11-Verfahren flüchtete. Damit versucht man einen Neuanfang. Im April verkaufte Chrysler um 48 Prozent weniger Autos als im April 2008.
GM verfolgt die Entwicklung beim Konkurrenten genau. Denn auch die Detroiter überlegen einen Ausgleich, weil die Sanierungspläne auf wenig Gegenliebe stoßen. So sollten die Gläubiger für den Verzicht auf 90 Prozent ihrer Forderungen in Höhe von insgesamt 27 Mrd. Dollar zehn Prozent der GM-Aktien bekommen. Die Regierung, die den Konzern seit Jahresbeginn mit 15,4 Mrd. Dollar am Leben hält, soll bis zu 50 Prozent erhalten, die Gewerkschaften für ihre Zugeständnisse rund 40 Prozent. Doch die Schuldinhaber fordern mit 58 Prozent den Löwenanteil für sich und wollen die Regierung komplett aus dem neu strukturierten Unternehmen heraushalten.
Gegenwärtig versprechen sich die Gläubiger daher mehr Vorteile vom Gang in die Insolvenz als vom Vorschlag, ihre Schulden gegen Unternehmensanteile einzutauschen, sagte Larry Chlebina von der Consulting-Firma Chlebina Capital. Auch sein Kollege Mike Hausman von O'Keefe & Associates sieht den Plan als nicht vorteilhaft für die Gläubiger an: „GM hat eine Reihe von erfahrenen Bondholdern und Hedgefonds. Sie werden genau darauf achten, welchen Nutzen sie aus einem Insolvenzverfahren ziehen können.“
Zum Einlenken könnte sie Experten zufolge aber der öffentliche und staatliche Druck in Folge der Chrysler-Insolvenz bewegen. Präsident Barack Obama kritisierte bereits scharf eine kleine Gruppe von „Spekulanten“, die auf eine „ungerechtfertigte Rettung durch Steuergelder“ aus war.
Elf Milliarden für Porsche? Indes könnte die Marktbereinigung bei den Herstellern weitergehen: Im Milliardenpoker zwischen Porsche und VW setzt Ferdinand Piëch angeblich auf einen Verkauf des Autogeschäfts der Stuttgarter an Volkswagen. Am Mittwoch soll darüber entschieden werden. Laut Medienberichten will Piëch elf Mrd. Euro für Porsche. Laut „Spiegel“ ist die finanzielle Lage beim Sportwagenhersteller angespannter als bisher bekannt. Bankenkreisen zufolge muss das Unternehmen binnen weniger Monate neue Finanzierungsmöglichkeiten für 3,3 Mrd. Euro finden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2009)