Fußball: Das Wolfsburger Erfolgsmodell

(c) EPA (Peter Kneffel)
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Die One-Man-Show von Startrainer Felix Magath soll in dem Gewinn der deutschen Meisterschaft gipfeln. Die „Wölfe“ stürmen bereits wie ein Champion.

WOLFSBURG (stone). „Dass Wolfsburg einmal um die Meisterschaft spielt, das hätte ich mir auch nicht gedacht. Aber ich finde es einfach wunderbar!“ Didi Kühbauer, einst selbst Legionär bei den „Wölfen“, traut seinem Exklub in Deutschland durchaus den Titel zu. Die kontinuierliche Aufbauarbeit trägt Früchte, Trainer Felix Magath hat in der Volkswagen-Arena ganze Arbeit geleistet. Mit dem klaren 4:0-Erfolg über den seit Monaten sieglosen Herbstmeister Hoffenheim thront der VfL Wolfsburg in der Tabelle auch weiterhin ganz oben.

Magath, der 55-jährige Franke, hat es bisher vermieden, vom Meistertitel zu sprechen. Am Wochenende aber ist er sich untreu geworden und reagierte auf die Gerüchte über seinen bevorstehenden Wechsel zu Schalke 04 mit einer gnadenlosen Kampfansage. „Jetzt gilt es den ersten Platz zu verteidigen. Und die Meisterschaft zu holen.“ Wer nach 30 Runden die Nummer eins ist, der darf solche Ansprüche auch anmelden. „Ich sage einmal: Wir haben es selbst in der Hand – wir sind die Favoriten.“

Schalke und die große Lösung

Über die Zukunft des ehemaligen Happel-Schülers wird weiterhin fleißig spekuliert, Magath selbst beteiligt sich an den Diskussionen nicht. „Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, dann wäre mein Vater Millionär“, meinte er nur. Geht es nach einem Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“, dann ist der Trainer im Sommer sogar ablösefrei zu haben. Denn zwei Möglichkeiten, den Kontrakt per Wahrnehmung einer Option zu verlängern, habe der gefragte Coach verstreichen lassen.

Stephan Grühsem, der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, kündigte für diese Woche eine Stellungnahme an, der Verein sei übrigens nicht unvorbereitet. Die offizielle Mitteilung, wohin die Reise des Trainers geht, dürfte also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Felix Magath konnte in Wolfsburg schalten und walten, wie er wollte, der Trainer hatte die gesamte Macht. Kaum ein Funktionär mischte sich in die sportlichen Belange ein, die Wirtschaftskrise aber ist auch am Volkswagen-Konzern nicht spurlos vorübergegangen. Die Fußball-GmbH des VfL ist eine hundertprozentige VW-Tochter, und eine Reihe von Magaths Forderungen kann man in Zukunft offenbar nicht mehr mittragen.

Vorerst aber gilt für die Wolfsburger Mannschaft: Sie spielt und spielt und spielt – und sie gewinnt und gewinnt und gewinnt. Die One-Man-Show des Trainers ist von Erfolg gekrönt, nicht einmal der Wirbel rund um seine Person hat auf das Team abgefärbt. Sie stürmt wie ein Meister, und die Angreifer treffen auch wie Champions. Der Bosnier Dzeko durfte sogar einen klassischen Hattrick bejubeln, sein Nebenmann Grafite das mittlerweile bereits 23.Bundesliga-Tor.

Enttäusche Fans pfiffen den Trainer aus, andere legten ein Bekenntnis ab. „Felix, wir brauchen dich!“, stand auf einem riesigen Transparent zu lesen. Die meisten Anhänger stellen sich aber längst nicht mehr die Frage, ob der Perfektionist Magath geht, sondern wer ihn im Sommer ersetzt.

Das Wolfsburger Erfolgsmodell beeindruckt jedenfalls. Nicht verwunderlich, dass nun auch Schalke von einer „großen Lösung“ träumt.

Am Sonntagabend erhielten die Wolfsburger Titelträume weitere Nahrung: Die Verfolger Hamburger SV und Hertha Berlin trennten sich 1:1, die frühe HSV-Führung durch Olic (8. Minute) glich Kacar in der 66. Minute mit einem spektakulären Volleyschuss aus 28 Metern aus. Bei der 0:1-Niederlage von Bremen in Köln waren Sebsatian Prödl und Martin Harnik je eine Halbzeit im Einsatz. Prödl sah in der 38. Minute Gelb und wurde zur Halbzeit gegen seinen Landsmann ausgetauscht.

Erniedrigung für Real Madrid

In Spanien hingegen untermauerte der FC Barcelona seinen Anspruch auf den Meistertitel. Im „El Clasico“ gegen Real Madrid im ausverkauften Bernabeu-Stadion gewannen die Katalanen trotz 0:1-Rückstands mit 6:2. Real wollte die letzte Chance auf die Titelverteidigung wahren, erlebte allerdings ein böses Erwachen. Noch nie in der 80-jährigen Geschichte des „Clasico“ hatten die Hauptstädter eine derartige Erniedrigung erfahren.

Während sich spanische Medien in Lobeshymnen für Barca und Trainer Josep Guardiola überschlugen, hagelte es Kritik an Real.

Besonders Sportdirektor Predrag Mijatovic bekam sein Fett ab. Er wurde für missglückte Spielerverpflichtungen und das (organisatorische) Chaos, das zum Teil aus der Ära des geschassten Klubpräsidenten Ramon Calderon stammt, gescholten. Es gehe darum, das „Haus Real Madrid“ wiederherzustellen: „Im Moment ist es eine Ruine“, ätzte ein Kommentator.

Tatsächlich war die Mannschaft von Juande Ramos nach einem Doppelschlag von Thierry Henry und Carles Puyol binnen zwei Minuten 1:2 in Rückstand geraten. Für die weiteren Tore für Barcelona sorgten abermals Henry, zweimal Messi und Gerard Pique.

ZUR PERSON

Felix Magath (* 26. Juli 1953 in Aschaffenburg) ist einer von nur sechs Akteuren in der Geschichte der Fußball-Bundesliga, die sowohl als Spieler als auch als Trainer deutscher Meister wurden.

Größte Erfolge als Trainer: Pokal-Finalist: 1999, UI-Cup-Sieger: 2002, Vizemeister: 2003, Pokal-Sieger: 2005, 2006, Meister: 2005, 2006, Ligapokal-Sieger: 2005.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2009)

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