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In der Falle der fallenden Preise

A man walks between discount advertisements of restaurants at a shopping district in Tokyo
Einkaufsmeile in TokioREUTERS
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In einem einzelnen Land wie Japan dürfte es laut Lehrbuch nie zu einer langen Flaute kommen. Wäre da nicht die Deflation.

Eines scheinen die lautstarken Theoretiker einer säkularen Stagnation übersehen zu haben: Wirklich zuschlagen dürfte eine dauernde Flaute mit sehr schwachen Wachstumsraten nur, wenn sie in der ganzen Welt gleichzeitig eintritt. Solang das Siechtum nur einige Staaten oder auch Wirtschaftsräume betrifft, kann das Kapital ja immer ins Ausland fliehen, wo es noch mehr Früchte trägt.

Zumindest in den hungrigen Schwellen- und Entwicklungsländern bleibt die Nachfrage nach Kapital mit großer Wahrscheinlichkeit noch jahrzehntelang sehr hoch. Zu Hause könnte so die heimische Währung abwerten, ob Euro, Dollar oder Yen. Die eigenen Exporteure könnten dann zu attraktiveren Preisen mehr verkaufen. In der Folge würden sie auch wieder mehr investieren – der Weg aus der Flaute wäre vorgezeichnet.

Leider zeigt aber das Beispiel Japan, dass es so nicht laufen muss. Dort fallen im Schnitt der vergangenen zwanzig Jahre die Preise, wenn auch nur leicht. Es herrscht also Deflation, anders als im dynamischen Ausland. Damit ändert sich für die Anleger die Lage. Nehmen wir als Rechenbeispiel an, der nominelle Zins liege in Japan bei einem Prozent, die Deflation bei zwei. Das ergibt dann einen realen Zinssatz von drei Prozent. Nehmen wir weiter an, dass in China fünf Prozent Zinsen locken. Davon sind aber zwei Prozent Inflation abzuziehen – macht auch nur drei Prozent reale Rendite. Da bleibt das Kapital vorsichtshalber gleich zu Hause. Wieder steckt die Geldpolitik in einer Falle – was auch erklärt, warum die Europäische Zentralbank (EZB) eine Deflation im Euroraum so fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Japan

Anfang der 1990er-Jahre platzte in Japan eine große Spekulationsblase.

Seit diesem Schockfindet die Wirtschaft nicht mehr zu ihrer früheren Dynamik zurück.

Deshalb gilt JapansWirtschaft als Musterbeispiel für eine säkulare Stagnation.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2015)