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Der Grexit wird die Märkte ordentlich beuteln

Zerrissener 100 Euro Schein und zerfallene Euromuenze vor Griechenland und EU Fahne Symbolfoto Grex
Symbolbild Grexitimago/Christian Ohde
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Aktionäre und Anleihekäufer müssen sich auf einen heißen Sommer einstellen, wenn Griechenland den Euro verlässt.

Am Montag wird es spannend: Da beraten die Euroregierungschefs höchstselbst, wie es mit Griechenland weitergeht. Es wird zwar immer noch keine Entscheidung fallen, aber man wird dann wieder ein Stück deutlicher sehen, ob es gelingen kann, Griechenland im Euro zu halten, oder ob der gefürchtete Grexit samt folgender griechischer Staatspleite unvermeidlich wird.

Die Experten sind schon reichlich pessimistisch. Gegen Ende dieser Woche wurde die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheidens der Griechen schon mit 50 Prozent taxiert. Anleger sollten sich also langsam Gedanken darüber machen, wie in einem solchen Fall zu reagieren ist.

Die griechische Bevölkerung tut es schon massiv: In den vergangenen Wochen hat sich die Kapitalflucht drastisch beschleunigt. Die Abflüsse erreichten mehrere Milliarden Euro pro Tag. Was auch kein Wunder ist: Wer beim Grexit in Griechenland noch Euro auf der Bank liegen hat, riskiert deren Zwangsumtausch in die neue Währung, die schlagartig drastisch abwerten würde. In diesem Fall kann man sein Geld gleich verbrennen, denn viel bleibt da vom Ursprungsvermögen nicht übrig. Für den Rest der Eurozone gilt: Nach anfänglichen Turbulenzen würde der Euro wahrscheinlich stärker.

Auf eine wilde Berg- und Talfahrt müssen sich im Grexit-Fall Aktienanleger gefasst machen – wobei die Talfahrten wohl überwiegen werden. Experten erwarten zwar keinen wirklichen Crash an den europäischen Märkten, der Sommer dürfte für Aktienanleger aber turbulent und unangenehm werden. Langfristige Anleger müssen da durch, der Rest wird wohl seine hoffentlich aufgelaufenen Gewinne in die Scheune fahren und das Ganze vom Feldrand aus betrachten. Sehr volatil wird es wohl auch auf den Anleihemärkten zugehen. Die Renditen von europäischen Staatsanleihen werden zumindest vorübergehend sehr heftig steigen.

Wenig Auswirkungen erwarten Experten hingegen für den Goldpreis. Das ist die Überraschung dieses Sommers, denn Krisenzeiten treiben normalerweise die Goldnotierung hoch. Jetzt steckt der Goldpreis aber seit Langem in der Gegend von 1200 Dollar je Feinunze fest. Ein Grexit würde den Preis vielleicht kurzfristig ein bisschen pushen, aber niemand rechnet damit, dass er so bald wieder auf alte Höhen klettert. Schon deshalb, weil die Notenbanken massiv in den Goldmarkt intervenieren: Sie können teures Gold derzeit nicht brauchen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2015)