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US-Banken: 17-Stunden-Tag für Praktikanten

(c) REUTERS (BRENDAN MCDERMID)
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Nach tragischen Todesfällen wollen US-Banken wie Goldman Sachs, dass Praktikanten pro Tag nicht länger als 17 Stunden arbeiten. Von Mitternacht bis sieben Uhr früh sollen sich die jungen Angestellten nicht im Büro aufhalten.

Wien/New York. Wer in der Finanzbranche Karriere machen will, sollte ein Praktikum bei einer internationalen Großbank machen. Gerade die führenden Institute an der New Yorker Wall Street sind heiß begehrt. Um die wenigen Praktikumsplätze reißen sich tausende Bewerber aus aller Welt. Das Problem ist weniger die Bezahlung als die Arbeitsüberlastungen. Nach tragischen Todesfällen hat die US-Bank Goldman Sachs nun neue Regelungen eingeführt. Demnach sollen Praktikanten nicht länger als 17 Stunden pro Tag arbeiten. Von Mitternacht bis sieben Uhr früh sollen sich die jungen Angestellten nicht im Büro aufhalten.

Es mag absurd klingen: Doch im Vergleich zu früher ist das eine Verbesserung. Bereits im Jahr 2013 hat Goldman Sachs eine Empfehlung erlassen, wonach Praktikanten von Freitagabend bis Sonntagvormittag nicht für die Bank tätig sein sollen. Lloyd Blankfein, der Chef der Bank, meinte damals zu den Praktikanten, es sei sinnvoll, neben dem Job noch andere Interessen zu haben.

Anlass für die jetzige Debatte über die Arbeitsbedingungen bei US-Instituten ist der Tod eines 22-jährigen Manns, der für Goldman Sachs tätig war. Seine Leiche wurde laut „New York Times“ in der Nähe seiner Wohnung gefunden. Die Ermittlungen laufen noch. Die genaue Todesursache ist unklar. Möglich ist, dass er aus Müdigkeit von einem Gebäude gestürzt ist. Auch ein Suizid wird nicht ausgeschlossen.

Nach dem Tod schrieb der Vater einen Essay: „A Son Never Dies“ (ein Sohn stirbt nie). Amerikanische Zeitungen veröffentlichten den Text. Darin beschreibt er, wie sein Sohn bei Goldman Sachs in einen Teufelskreis geraten ist. Der Sohn habe 20 Stunden hindurch gearbeitet und nicht genug Schlaf bekommen. Es sei vorgekommen, dass er auch an Wochenenden für die Bank im Einsatz war. „Du ruinierst deine Gesundheit“, warnte ihn der Vater. Doch der Sohn antwortete: „Komm schon, Vater. Ich bin jung und stark. Investmentbanking ist harte Arbeit.“

 

„Ich habe zwei Tage nicht geschlafen“

Doch schließlich wurde es dem Sohn dann doch zu viel. „Dieser Job ist nichts für mich, zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Ich möchte nach Hause kommen“, sagte der Sohn zu seinem Vater. Doch diesmal ermutigte ihn der Vater, nicht vorschnell aufzugeben. Er riet dem Sohn, zumindest ein Jahr lang bei Goldman Sachs zu bleiben. Heute macht sich der Vater deswegen schwere Vorwürfe.

Kurz vor dem Tod rief der Sohn seinen Vater an und sagte: „Es ist zu viel. Ich habe zwei Tage nicht geschlafen, habe morgen früh einen Kunden und muss eine Präsentation fertigstellen, mein Vorgesetzter ist verärgert, und ich arbeite allein in meinem Büro.“ Der Vater war alarmiert und riet dem Sohn, sofort zu kündigen. Doch der Sohn meinte: „Das werden sie nicht erlauben.“ Eine Stunde nach dem Telefonat ging der junge Banker aus dem Büro. Danach wurde er tot aufgefunden.

Einige Wochen später starb in New York ein 29-jähriger Investmentbanker. Er fiel von einem Gebäude. Er hatte Drogen im Blut. „Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass er sehr viel gearbeitet und Stress gehabt hat“, sagte sein Vater laut amerikanischen Zeitungen.

Vor zwei Jahren sorgte der Tod eines 21-jährigen Praktikanten aus Deutschland bei der Bank of America in London für Schlagzeilen. Er starb an einem epileptischen Anfall und soll vor seinem Tod 72 Stunden lang durchgearbeitet haben. Die Bank of America verbesserte daraufhin ihre Arbeitsbedingungen. Demnach darf innerhalb eines Monats an mindestens vier Wochenendtagen nicht gearbeitet werden. Ausnahmen müssen von den Vorgesetzten genehmigen werden.

Im Vorjahr nahmen sich mehrere Banker das Leben. Experten nannten die schlechteren Arbeitsbedingungen in der Finanzbranche als Grund. Seit der Finanzkrise wurde allein an der New Yorker Wall Street jeder zehnte Job gestrichen. Das führt dazu, dass weniger Menschen noch mehr Arbeit erledigen müssen.

 

Unbezahltes Praktikum in Österreich

In Österreich gelten für Praktikanten bei der Arbeitszeit die normalen gesetzlichen Regeln. Demnach darf die tägliche Arbeitszeit inklusive Überstunden maximal zehn Stunden betragen. Allerdings gibt es verschiedene Arten von Praktika. Ein Ferienjob, ein Ferialpraktikum oder auch ein freiwillig absolviertes Praktikum neben oder nach der Ausbildung sind laut Arbeitsrecht ganz normale befristete Dienstverhältnisse.

Völlig anders ist die Situation beim sogenannten Pflichtpraktikum. In Österreich müssen rund 66.000 Studenten, 180.000 Schüler und 31.000 Studierende an Fachhochschulen im Rahmen ihrer Ausbildung ein Pflichtpraktikum machen. Um den Abschluss zu bekommen, nehmen Studenten teilweise auch ein unbezahltes Praktikum in Kauf.

Laut Erhebung der Gewerkschaft sind 38 Prozent der Pflichtpraktika unbezahlt. Zehn Prozent verdienen weniger als 300 Euro monatlich, 14 Prozent erhalten 300 bis 500 Euro brutto im Monat. Der Rest bekommt mehr als 500 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2015)