Verheerende Bilanz

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Nach normalen Kriterien ist die heimische Bundesbahn schlicht pleite.

In der vorigen Woche hat die Bahn ihre Katastrophenbilanz 2008 präsentiert. Die Debatte hat sich dabei intensiv um hohe Spekulationsverluste und um möglicherweise unverdiente Versagerprämien, die dort euphemistisch „Vorstandsbonus“ genannt werden, gedreht.

Dabei zeigt ein etwas tieferer Blick in die Bilanz, dass das nicht die wahren Probleme der Bahn sind. Und dass das Unternehmen in Wirklichkeit noch viel katastrophaler dasteht.

Man muss sich nur ein paar Eckdaten ansehen: Der Marktumsatz der Bahn liegt bei etwa 2,51 Milliarden Euro, wovon aber nur knapp 1,5 Milliarden auf „echte“ Güter- und Personenverkehrsumsätze auf der Schiene entfallen. Dem steht ein Personalaufwand von 2,28 Milliarden Euro gegenüber, der zu einem hohen Teil im Zusammenhang mit dem Schienennetz anfällt. Die Personalaufwendungen sind also deutlich höher als der auf der Schiene erzielte Umsatz. Die Investitionen ins Schienennetz liegen (durch teure Prestigeprojekte, die wenig bringen) bei 2,78 Milliarden Euro, was wesentlich zu einem Anstieg der Finanzverbindlichkeiten um 3,54 Milliarden Euro gegenüber 2007 beigetragen hat.

Wie nennt man den betriebswirtschaftlichen Zustand einer Bahngesellschaft, die auf der Schiene 1,5 Milliarden „echt“ umsetzt, dafür mehr als zwei Milliarden Personalkosten hat und deren Finanzverbindlichkeiten in einem Jahr um 3,54 Milliarden steigen? Und wäre es vielleicht nicht angebracht, Investitionen bei einer derart im Schlamm steckenden Organisation nicht mehr rein nach politischen Begehrlichkeiten zu tätigen, sondern zumindest ansatzweise volks- und betriebswirtschaftliche Überlegungen anzustellen?

Plus: Ist es wirklich ein Naturgesetz, dass der Staat Jahr für Jahr vier bis fünf Milliarden Zuschuss in dieses Fass ohne Boden schütten muss, ohne für die Verwendung dieser Gelder halbwegs Rechenschaft zu verlangen?

Oder ist vielleicht doch betriebswirtschaftliches Unvermögen – zu deutsch: Managementversagen – einer der wesentlichen Gründe dafür, dass der faktische Konkursbetrieb ÖBB mit so vielen Steuermilliarden künstlich beatmet werden muss?

Um diese Frage zu beantworten, braucht man nur zwei Vergleichsdaten: Die ÖBB „erwirtschaften“ laut Bilanz Gesamterträge von 5,8 Mrd. Euro mit 42.265 Mitarbeitern. Bei der Schweizer Bahn schaffen 27.862 Eisenbahner 5,21 Mrd. Euro Gesamtertrag. Alles klar?


josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2009)

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