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Heer verzichtet auf Investitionen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Verteidigungsminister Norbert Darabos muss notwendige Anschaffungen auf die lange Bank schieben. Die 40 Jahre alten Saab 105 bleiben im Dienst. Ersatzteile sind aber schon jetzt teilweise vom Werk nicht mehr zu erhalten

Wien. Mehr als 40 Jahre sind die Saab 105 des Bundesheers schon alt. Nun werden die Flieger, die eigentlich ausgemustert werden sollten, noch einige Jahre Dienst versehen müssen. Verteidigungsminister Norbert Darabos erklärte am Montag bei einer „Grundsatzrede“ vor der 3. Panzergrenadierbrigade in Mautern, wie er mit seinem Budget auskommen will. Darabos will Neuanschaffungen verschieben. Das betrifft neben den Flugzeugen auch noch die Aufrüstung der Hubschrauberflotte und die Anschaffung von gepanzerten Allschutzfahrzeugen.

 

Kleiner Bruder des Eurofighter

Die Saab 105 sind quasi der kleine Bruder der Eurofighter. Neben den Abfangjägern haben sie mehrere wichtige Funktionen im Heer: Zunächst einmal werden sie selbst für die Luftraumüberwachung eingesetzt. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn langsamere Flugobjekte in den österreichischen Luftraum eindringen. Der positive Nebeneffekt: Teure Eurofighter-Flugstunden können damit ersetzt werden. Vor allem dient die Saab 105 aber als Schulungsflugzeug. Rund 500 bis 1000 Stunden werden angehende Eurofighter-Piloten auf der Maschine ausgebildet. Danach muss die Ausbildung um viel Geld im Ausland fortgesetzt werden, gewisse taktische Schulungen sind auf der Saab 105 nicht möglich.

Der vorläufige Verzicht auf eine Neuanschaffung wird in Bundesheerkreisen als nicht unbedingt sinnvoll gesehen. Denn die Saab 105 können zwar noch fliegen – wenn es sein muss auch noch über einen sehr langen Zeitraum –, aber das wird immer teurer. Ersatzteile sind schon jetzt teilweise vom Werk nicht mehr zu erhalten und müssen um viel Geld nachgebaut werden. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem die Wartung mehr kostet als eine Neuanschaffung. Die jetzt geplante Einsparung käme dem Heer also auf lange Sicht teurer. Derzeit sind im Schnitt etwa sechs von 28 Maschinen einsatzfähig.

Auch die beiden anderen Einsparungen von Darabos sind nicht unumstritten. Die Hubschrauber „Agusta Bell 212“ sollten aufgerüstet und instrumentenflugtauglich gemacht werden. Eine Investition, die durchaus Sinn macht. Denn die Hubschrauber konnten beispielsweise beim Lawinenunglück in Galtür aufgrund mangelnder Ausrüstung nicht eingesetzt werden. Die Allschutzfahrzeuge wiederum wären bei Auslandseinsätzen aus Sicherheitsgründen dringend notwendig.

 

Kasernen werden saniert

Der Rede von Darabos in Mautern vorangegangen war heftige Kritik von Offizieren an der Entwicklung des Bundesheers. Selbst die Spitzenbeamten im Ministerium hatten in einem Brief an den Minister vor den Folgen des Sparkurses gewarnt. Darabos bezeichnete das ihm zur Verfügung stehende Budget nun als „Kompromiss“. „Wir können damit unsere Aufträge erfüllen und auch neue Pläne in Angriff nehmen“, so der Minister trotz der nun angekündigten Sparpläne bei den Neuinvestitionen.

Zusätzliches Geld ausgeben will Darabos vor allem für die Renovierung von Kasernen. Die Bauinvestitionen belaufen sich auf rund 70 Millionen Euro im Jahr. Kritik an den Sparplänen beim Bundesheer übte die FPÖ.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2009)