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Stadtplan: Teacher

Bildungsreformen müssten bei Lehrern anfangen.

Er heißt schlicht „teacher“. Seinen wahren Namen hält er geheim. Wahrscheinlich mit gutem Grund. Trotzdem hab ich das Gefühl, ihn sehr gut zu kennen. Denn ich lese seit Jahren mit größtem Interesse sein Tagebuch. Das heißt bezeichnenderweise „niemehrschule“.

Darin erzählt er mit Leidenschaft, großer sprachlicher Ausdruckskraft und vor allem einem ungeheuer scharfen Blick aus seinem Schulalltag. Eine Pflichtlektüre für alle, die an Jugendlichen Interesse haben, über Schulreformen nachdenken, eine Pflichtlektüre vor allem für jene, die Schulpolitik machen.

Es würde mich übrigens sehr interessieren, ob Ministerin Schmied oder Herr Neugebauer einmal hineingelesen haben. Teacher erzählt vom Kern dessen, was Schule immer sein wird: dem konkreten Alltag von Schülern untereinander und der Beziehung von Lehrern zu Jugendlichen. Seine Geschichten verführen manchmal zum Lächeln, machen nachdenklich, stellen auch bisher Geglaubtes infrage.

Eine Kostprobe:
Kontrollfrage an 12-Jährige:
„Was wird in einem Hüttenwerk hergestellt?“
(Nachdenkpause.)
„Hundehütten?“
„Neee...“
„Skihütten?“
„Sicher... nicht!“
„Gibt's Katzenhütten?“
„NEIN!“
„Ich hab's: Gartenhütten!“
„Aaaah!“
Sie geben auf: „Sagens Sie's schon!“
„Eisen.“
„Das ist fad.“

Das Schöne an seinem Tagebuch: Man kann es überall lesen, wo es einen Internetanschluss gibt, man kann Fragen stellen und mit ihm und anderen diskutieren. Kürzlich habe ich ihm zu seinen Beobachtungen gratuliert und eine kritische Frage stellen müssen. Warum so oft ein Hauch von Larmoyanz durchklingt, der mir bei vielen Lehrern auffällt. Er hat über seine Vision von Schule geschrieben (hier ein paar Sätze): „Schulen sollten vielfältige Lerngelegenheiten fürs Leben bieten. An meiner Schule gibt es wenige KollegInnen, die sich an solche Änderungen herantrauen. Bildungsreformen müssten bei Lehrern anfangen. Ich möchte mit Kindern die Welt entdecken, gerne auch acht Stunden pro Tag.“ So könnte Schulreform glücken: Drückt ihnen einfach den „teacher“ in die Hand. Zum Nachlesen: teacher.twoday.net

www.chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2009)