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NSA-Affäre: Frankreich bestellt US-Botschafterin ein

Im Visier der US-Regierung? Auch Francois Holland soll von der NSA abgehört worden sein.
Im Visier der US-Regierung? Auch Francois Holland soll von der NSA abgehört worden sein.(c) APA/EPA/JULIEN WARNAND
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Die USA sollen laut Wikileaks-Dokumenten über Jahre hinweg die französischen Präsidenten Hollande, Sarkozy und Chirac abgehört haben.

Die USA haben nach Informationen der Enthüllungsplattform Wikileaks über Jahre hinweg die drei französischen Präsidenten Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy und Francois Hollande abgehört. Das geht aus Wikileaks-Dokumenten hervor, über die die französische Zeitung "Liberation" und die Enthüllungsplattform Mediapart am Dienstag berichteten. Hollande berief für Mittwochmorgen einen Verteidigungsrat zur Prüfung der Angelegenheit ein.

Das Weiße Haus hat umgehend versichert, dass Hollande nicht überwacht wird. "Wir nehmen die Kommunikation von Präsident Hollande nicht ins Visier und werden sie nicht ins Visier nehmen", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price. Zur Praxis in der Vergangenheit äußerte er sich am Dienstag in Washington allerdings nicht.

Botschafterin zum Rapport zitiert

Die Regierung in Paris hat am Mittwoch die US-Botschafterin herbeizitiert, hieße es aus diplomatischen Kreisen in Paris. Zuvor tagte das französische Verteidigungskabinett. Im Elysee-Palast hatten mehrere Minister und die Spitzen der französischen Geheimdienste zusammen mit Präsident Francois Hollande über die jüngsten Enthüllungen zur NSA-Spionage beraten.

Bei den als streng geheim eingestuften Dokumenten handelt es sich laut Mediapart und "Liberation" unter anderem um fünf Berichte des US-Geheimdienstes NSA, die auf abgefangener Kommunikation basierten. Die Berichte seien von einer Abteilung namens Summary Services (Zusammenfassungsdienst) für die US-Geheimdienste und einzelne NSA-Verantwortliche erstellt worden.

Lauschangriff von 2006 bis 2012

Der US-Lauschangriff dauerte demnach mindestens von 2006 bis 2012. Chirac war bis 16. Mai 2007 Präsident. Das neueste Dokument stammt den Berichten zufolge vom 22. Mai 2012, es entstand also wenige Tage nach der Amtsübernahme des Sozialisten Hollande. In dem Dokument geht es den Berichten zufolge um geheime Treffen zu einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Treffen mit der deutschen SPD, die damals in der Opposition war, seien hinter dem Rücken von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) organisiert worden.

Aus einem Dokument über Hollandes konservativen Amtsvorgänger Sarkozy wird zitiert, dieser habe sich 2008 als "einziger fähiger Mann" im Kampf gegen die damalige Finanzkrise betrachtet. Sarakozy mache die USA für "viele der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme" verantwortlich, sei aber der Ansicht, dass Washington "nun einige seiner Ratschläge befolge".

"No-Spy-Abkommen" gibt es nicht

In einem anderen Dokument werden den Berichten zufolge verschiedene Telefonnummern aufgelistet, darunter die Nummern von Präsidenten, ihren engsten Beratern und verschiedenen Ministern. In Deutschland hatte ein mutmaßlicher US-Lauschangriff auf das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Merkel für große Aufregung gesorgt. Washington ließ damals wissen, dass der Geheimdienst dies nicht weiter tue. Ein "No-Spy-Abkommen" zwischen beiden Ländern kam aber nicht zustande.

Aus Hollandes Umfeld erfuhr die Nachrichtenagentur AFP, der Präsident habe "entschieden, am Mittwochmorgen um 9 Uhr einen Verteidigungsrat einzuberufen, um die Art der an diesem Dienstagabend von der Presse verbreiteten Informationen zu prüfen und zweckdienliche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen".

USA wollen sich nicht äußern

"Wir werden uns nicht zu speziellen Vorwürfen gegen die Geheimdienste äußern", erklärte der Nationale Sicherheitsrat am Dienstag in Washington. Grundsätzlich nähmen die USA keine geheimdienstliche Überwachung im Ausland vor, "wenn es nicht ein spezielles und bestätigtes Sicherheitsinteresse gibt". "Das gilt für normale Bürger ebenso wie für internationale Führer", hieß es in der Erklärung, die auch vom Büro des US-Geheimdienstchefs James Clapper veröffentlicht wurde.

Auch der NDR und die "Süddeutsche Zeitung" konnten die Wikileaks-Dokumente einsehen. Wie es auf tagesschau.de hieß, wurde in der NSA-Notiz vom Mai 2012 ein Gespräch zwischen Hollande und dem damaligen Ministerpräsidenten Jean-Marc Ayrault widergegeben. Die beiden unterhielten sich demnach über ein geplantes Treffen mit der SPD-Spitze in Paris, um über die Euro-Krise und einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Gemeinschaftswährung sprechen. Hollande habe sich zudem über ein Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel in der Vorwoche beschwert. Es sei nichts Substanzielles erreicht worden und reine Show gewesen.

Die in den NSA-Dokumenten aufgelisteten Telefonnummern sind laut NDR und "Süddeutscher Zeitung" offenbar Teil der sogenannten Selektoren, anhand derer die NSA weltweite Datenströme durchsucht. Auch der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) hat für seine Abhörstation in Bad Aibling Selektoren von der NSA geliefert bekommen. Ob die nun von Wikileaks veröffentlichten Selektoren auch in Bad Aibling eingesetzt wurden, ist demnach aber unklar.

>> zum "Süddeutsche"-Bericht

>> zum "tagesschau.de"-Bericht

(APA/AFP/dpa)