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Katerina Poladjan: Eine Russin mit biegsamem Deutsch

Katerina Poladjan verließ als Kind ihre Heimat; in der Geschichte ihrer Familie suchte sie ihre eigene.

„Die deutsche Sprache ist biegsam“, sagte eine Lehrerin dem eingeschüchterten Mädchen, das aus Moskau über Wien nach Deutschland gekommen war. Offenbar ließ sich Katerina Poladjan überzeugen, das zeigen ihre Texte. Bei Rowohlt wird im August ihr neuer Roman „Vielleicht Marseille“ erscheinen, wie schon „In einer Nacht, woanders“. In diesem Debütroman fährt eine junge Frau in ihre russische Heimat zurück, konfrontiert sich dort mit ihrer (glücklichen) Kindheit und mit rätselhaften Fragen über Mutter, Vater und ihre geliebte Oma, die Raumfahrtsingenieurin. Trotz der kurzen Sätze hat Poladjan einen wie schwerelos dahingleitenden Stil in diesem Erzähl-, Gedanken- und Erinnerungsfluss. Im neuen Roman „Vielleicht Marseille“ erzählt Poladjan von einem französischen Kommissar in der Ehe- und Lebenskrise und seiner Begegnung in Salzburg mit Ann, die um ihren verstorbenen Mann trauert. Sie liebt Figuren wie Don Quixote, die sich gegen das Schicksal auflehnen und „den ungesicherten Tanz auf dem Seil suchen“, sie liebt überhaupt die „vom Sinn freigestellte Welt“, sagt sie auf ihrem Videoporträt, das auf der Website zum Bachmann-Wettlesen veröffentlicht ist. Und wie auch bei anderen Bachmann-Autorinnen, etwa Dana Grigorcea, die früh ihre Heimat verlassen haben, beherrscht eine zentrale Frage ihr Werk: Wo ist zwischen den Welten mein Zuhause?Wie kann ich über die Vergangenheit (meiner Familie) mich finden?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2015)