Coca-Cola, Intel und Co. sparen Steuern auf den Cayman-Inseln. Damit soll nun Schluss sein, verkündete Präsident Obama und blies zum Kampf gegen Steueroasen, von dem zusätzliche Einnahmen von 210 Mrd. US-Dollar verspricht.
Washington/Wien (ag./mac). Drei Prozent hat der in Florida ansässige Lebensmittelkonzern Delmonte Fresh Produce im Vorjahr in den USA an Einkommensteuern bezahlt. Drei Mal mehr als noch 2007. Der Grund für die bescheidene Belastung des Unternehmens dürfte in der Karibik zu finden sein, wo Delmonte seinen offiziellen Firmensitz hat. Hier, auf den Cayman-Inseln südlich von Kuba, haben Unternehmen keine Steuerbelastungen zu fürchten. Ein Vorteil, den die internationalen Konzerne Amerikas zu nutzen wissen. Coca-Cola, Intel und Oracle sind nur einige der bekannten Unternehmen, die Tochtergesellschaften auf der Insel angemeldet haben. Für sie war es bisher möglich, die Gewinne der Tochtergesellschaften vor dem amerikanischen Fiskus zu verstecken.
Damit soll nun Schluss sein, verkündete Präsident Barack Obama und blies zum Kampf gegen Steueroasen, von dem er sich in den kommenden zehn Jahren zusätzliche Einnahmen von 210 Mrd. US-Dollar (156,7 Mrd. Euro) verspricht. Er scheint zu wissen, wo er nach Gold gräbt. Schließlich haben 84 der hundert größten US-Firmen derart steuerschonende Gesellschaften. Bei Procter& Gamble allein sind es 83, Citigroup kommt auf 427 Unternehmen in Steuerparadiesen.
„Steuerliche Schlupflöcher stopfen“
Auch abseits der Karibik ortet die US-Regierung eine ganze Reihe an Schlupflöchern im US-Steuersystem. An sich müssten Unternehmen in den USA 35 Prozent Einkommensteuer bezahlen. Für 2004 errechnete das US-Finanzministerium eine effektive Steuerbelastung der Auslandsgewinne von 2,3 Prozent. Von 700 Mrd. Dollar, die die US-Multis im Ausland eingenommen haben, seien nur 16 Mrd. als Steuern an die USA geflossen.
Künftig, so der Präsident, solle es für US-Unternehmen wieder lukrativer sein, Werke in Amerika zu errichten, statt in Indien. Bisher durften US-Unternehmen nämlich die Kosten, die durch die Verlagerung der Produktion aus den USA in ein Niedriglohnland entstanden sind, steuerlich absetzen. Künftig soll das nur noch möglich sein, wenn die Gewinne aus dem Ausland zur Gänze voll in den Vereinigten Staaten versteuert werden.
Multis machen gegen Obama mobil
Sollten die Vorschläge der US-Regierung umgesetzt werden, würde das die größten Unternehmen des Landes wohl besonders hart treffen. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte ihres Gewinns im Ausland. So muss sich Obama wohl auf kräftigen Gegenwind einstellen. Pfizer, Microsoft, General Electric. Kaum ein US-Konzern wäre nicht von den Regelungen betroffen, die 2011 in Kraft treten sollen.
„Das ist die falsche Idee, zur falschen Zeit und wegen der falschen Gründe“, poltert John Castellani, Präsident der Unternehmensvereinigung „Business Roundtable“. Die US-Konzerne würden lediglich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2009)