Die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch beraten heute in Salzburg über die Zukunft der beiden deutschen Autobauer. Eine Fusion der beiden Konzerne ist ebenso möglich wie der Kauf von Porsche durch VW.
Die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch wollen heute Mittwoch in Salzburg über die Zukunft des Porsche-VW-Konzerns beraten. Über das Ergebnis des Gesprächs soll Stillscheigen herrschen. Porsche kämpft nach der Aufstockung seiner Anteile an Europas größtem Autobauer auf knapp 51 Prozent mit einer Nettoverschuldung von neun Milliarden Euro. Darüber, wie die Stuttgarter diesen Berg abtragen können, wird seit Wochen spekuliert. Auf dem Tisch lagen zuletzt zwei Konzepte.
Es wird eng für Wiedeking
Porsche-Chef Wendelin Wiedeking steht erheblich unter Druck. Die Übernahme des VW-Konzerns sollte eigentlich die Krönung des erfolgsvewöhnten Managers sein. Er hatte Porsche Anfang der 90er Jahre gerettet und zum weltweit profitabelsten Autohersteller geformt. Doch nun könnte alles anders kommen.
Zwar favorisiert Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche Berichten zufolge ebenso wie Wiedeking eine Fusion des Sportwagenbauers mit VW. Das dringend benötigte frische Geld müsste sich der neue Konzern über eine Kapitalerhöhung besorgen. Dabei sollen die Familien Geld aus ihrem Privatvermögen zuschießen. Außerdem soll den Plänen zufolge ein neuer Investor einsteigen, der neben dem Porsche/Piech-Clan und dem Land Niedersachsen zum dritten VW-Großaktionär wird.
Triumphales Comeback von Piëch?
Doch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bevorzugt ein Gegenkonzept, wonach der VW-Konzern das Autogeschäft von Porsche um rund elf Milliarden Euro kaufen soll. Die Porsche-Holding wäre damit auf einen Schlag schuldenfrei - das Machtzentrum würde allerdings bei VW in Wolfsburg liegen. Experten räumen diesem Modell gute Chancen ein.
Um die VW-Beteiligung auf 75 Prozent zu erhöhen, wollte der Sportwagenbauer Porsche ursprünglich einen zehn Milliarden Euro schweren Kredit verlängern. Die Kreditgeber verlangten nach Medienberichten aber ein Viertel der VW-Aktien, die Porsche hält, als Sicherheit.
Auch Land Niedersachsen mischt mit
Niedersachsen als zweitgrößter Volkswagen-Aktionär pocht ebenfalls auf seine Mitsprache bei einem möglichen Umbau des VW-Konzerns. Ein Sprecher der Staatskanzlei forderte die Porsche-Eigner am Mittwoch in Hannover zu Verhandlungen mit dem Land auf. "Das Land Niedersachsen erwartet von den Familien Piech und Porsche, dass dort erst einmal festgelegt wird, wer an das Land herantritt und wer mit dem Land verhandelt."
Das Land Niedersachsen hält etwas mehr als 20 Prozent an VW und kann dank des VW-Gesetzes wichtige Entscheidungen blockieren.
Die beiden Familien Porsche und Piëch haben sich vertraglich verpflichtet, sich auf gemeinsame Lösung zu einigen und diese im Porsche-Aufsichtsrat mit einer Stimme zu vertreten. Dadurch soll vermieden werden, dass eine Seite die andere mit Hilfe der Arbeitnehmerbank überstimmen kann.
Porsche und VW im Vergleich
| Porsche | VW | |
| Fahrzeugproduktion | 0,105 Mio. | 6,35 Mio. |
| Umsatz | 7,47 Mrd. Euro | 113,8 Mrd. Euro |
| Nettogewinn | 6,39 Mrd. Euro | 4,69 Mrd. Euro |
| Mitarbeiter | 12.200 | 370.000 |
| Werke | 2 | 61 |
| Marken | 1 | 9 |
(Ag./phu)