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US-Wahl 2016: Hillary Clintons lästige Einflüsterer

Die E-Mail-Affäre ist die erste Nagelprobe für die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.(c) REUTERS (JIM YOUNG)
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Die veröffentlichten E-Mails der demokratischen Präsidentschaftsanwärterin zeigen ihre Mühe, sich von zweifelhaften Beratern und Wahlkampffinanciers zu distanzieren.

Washington. Spät am Dienstagabend hat das US-Außenministerium rund 2000 E-Mails der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton aus ihrer Amtszeit als Außenministerin in den Jahren 2009 bis 2013 veröffentlicht. Diese Erfüllung eines gerichtlichen Auftrages hat erwartungsgemäß keine Skandale ans Tageslicht befördert, die elektronischen Nachrichten von Clintons privater E-Mail-Adresse ermöglichen es jedoch, ein bekanntes Problem in ihrem Umgang mit Beratern und Geldgebern in genaueren Konturen zu zeichnen.

Clinton scheint, liest man in ihrer Korrespondenz, den Eingaben alter politischer Weggefährten bisweilen mehr Aufmerksamkeit zu leihen, als es für die wirksame Führung einer großen Organisation sinnvoll ist. Sie belastet ihren Mitarbeiterstab mit der Nachverfolgung von Tratsch und Gerüchten, deren Quellen schon bei flüchtiger Durchsicht als unseriös erscheinen müssen. Gegenüber ihren Financiers, allen voran jenen von der Wall Street, erweckt Clinton wiederum den Eindruck großer Eilfertigkeit in der Erfüllung von Wünschen. Das spießt sich mit ihrem postulierten Bestreben, die Auswüchse der Selbstbereicherung in der Finanzbranche einzuhegen, sollte sie im November 2016 tatsächlich zur Präsidentin gewählt werden.

 

„Tony ist ein bisschen betrübt“

Im Blickpunkt steht nun erneut ein Mann namens Sidney Blumenthal, der in der Amtszeit von Clintons Ehemann Bill im Weißen Haus als Berater werkte. Blumenthal ist ein langjähriger Freund der Clintons, er hat seine Rolle im Kampf gegen die republikanischen Feinde des Präsidenten in einem mehr als 800-seitigen Buch zu Geld gemacht.

Als Clinton im Jahr 2009 von ihrem einstigen innerparteilichen Konkurrenten Barack Obama zur Außenministerin gemacht wurde, hoffte Blumenthal auf einen Posten im State Department. Damit ging er bei Journalisten hausieren, was, wie die neuen Clinton-E-Mails belegen, ziemlichen Ärger in ihrem Stab verursachte. Obama legte ein Veto gegen Blumenthals Anstellung ein; im Vorwahlkampf hatte er eifrig hinter den Kulissen gegen Obama agitiert.

Als Trostpflaster erhielt Blumenthal eine mit monatlich 10.000 Dollar dotierte Stelle in der Familienstiftung der Clintons. Und er begann, seine Nähe zur Außenministerin zu nutzen. Nach Ausbruch des Bürgerkrieges in Libyen kontaktierte er den früheren CIA-Geheimdienstmann Tyler Drumheller, der seine früheren Dienstkontakte mit seiner Washingtoner Beratungsfirma Alphom Group in klingende Münze zu verwandeln versuchte. Blumenthal trug Drumhellers zumeist ungenaue und bisweilen falsche Libyen-Informationen an Clinton, und die wies ihren Stab im State Department an, diesen anonymisierten Eingaben nachzugehen.

Zwar schafften es Blumenthals Memos nie in die Tischvorlagen des State Department bei den sicherheitspolitischen Treffen im Weißen Haus. Zeit und Ressourcen band er damit aber sehr wohl – ebenso wie mit seinem von großer Unkenntnis der politischen Dynamik in Europa geprägten Vorbringen, die Ministerin möge sich doch dafür einsetzen, dass der frühere britische Premier und Clinton-Freund Tony Blair Präsident des Europäischen Rates wird. „Tony ist ein bisschen betrübt über seine Chancen“, schrieb Blumenthal am 28.Oktober 2009.

 

Man kennt sich, man hilft sich

Ein bisschen zu nahe scheint Clinton auch an Finanzkapitäne geraten zu sein. Ebenfalls 2009, nach einer Veranstaltung an der Wall Street, wies sie ihren Stab an, sich für die Erteilung eines US-Visums an einen Mitarbeiter des Fondsmilliardärs Stephen Schwarzman einzusetzen. Das ist nicht verboten, aber pikant: Schwarzman ist ein eifriger Financier der Republikaner und erbitterter Gegner der Abschaffung eines Steuerzuckerls für die Fondsbranche, für die sich Clinton einsetzt. Dabei vergreift er sich auch im Ton, indem er das Ende dieses Privilegs mit Hitlers Überfall auf Polen vergleicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2015)