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Seltene Erden: Die Blase ist geplatzt

Molycorp Mountain Pass Rare Earths Mining Facility
Molycorp Mine(c) Bloomberg (Jacob Kepler)
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Mit Molycorp ist der einzige Produzent von seltenen Erden in den USA pleite. Anleger, die auf die exotischen Rohstoffe gesetzt haben, haben viel Geld verloren. Der Hype ist vorbei.

Wien/Washington. Die Pleite der US-Firma Molycorp sorgt weltweit für Schlagzeilen. Denn Molycorp ist das einzige Unternehmen, das in den USA auf die Förderung von seltenen Erden spezialisiert ist. Molycorp wurde einst an der Börse mit mehreren Milliarden US-Dollar bewertet. Doch inzwischen ist der Aktienkurs abgestürzt. Damit zeigt sich, dass der Hype bei seltenen Erden vorbei ist. Molycorp mit Sitz in Greenwood Village im US-Bundesstaat Colorado sitzt auf einem Schuldenberg von 1,7 Milliarden US-Dollar. Die Firma war im Vormonat nicht mehr in der Lage, eine Zinszahlung von 32,5 Millionen US-Dollar zu leisten.

Dabei waren Aktien von Unternehmen wie Molycorp bei Investoren lange Zeit heiß begehrt. Anleger wollten von der angeblichen Knappheit bei seltenen Erden profitieren. Dabei handelt es sich um 17 Metalle wie Scandium, Neodymium und Yttrium, die in vielen Schlüsseltechnologien eingesetzt werden. Sie sind beispielsweise in Handys, Akkus, medizinischen Geräten und Flachbildschirmen zu finden. Lange Zeit hieß es, dass 90 Prozent der Weltproduktion von seltenen Erden aus China stammen sollen. „Der Nahe Osten hat Öl, und China hat seltene Erden“, sagte 1992 Chinas damaliger Staatschef, Deng Xiaoping.

Im Jahr 2010 schränkten die kommunistischen Machthaber in Peking den Export dieser Metalle ein. Als Grund nannten sie den Schutz der Umwelt. Dies führte dazu, dass die Preise für einige Metalle vorübergehend um 400 Prozent in die Höhe schossen.

 

Ernüchterung bei Anlegern

An den Börsen kam es zu einem Kaufrausch. Die Aktien von Firmen, die mit den exotischen Rohstoffen zu tun hatten, wurden stark nachgefragt. Doch nun ist Ernüchterung eingetreten. Denn es zeigt sich, dass seltene Erden doch nicht so selten sind, wie es ihr Name vermuten lässt. Der Börsenindex Stoxx Global Rare Earth stürzte von fast 600 Punkten im Jahr 2011 auf 23 Punkte ab. Allein in den vergangenen zwölf Monaten gab es ein Minus von mehr 60 Prozent.

Auch in China setzte ein Umdenken ein. Anfang 2015 hob die Pekinger Regierung die Exportrestriktionen für seltene Erden auf. Offiziell wurde dies mit der Niederlage bei der Welthandelsorganisation (WTO) begründet. Denn die WTO hat entschieden, dass die chinesischen Ausfuhrquoten für seltene Erden nicht in Ordnung sind. Doch die Wende bei den kommunistischen Machthabern dürfte einen viel pragmatischeren Grund haben. Denn es hat sich herausgestellt, dass es in anderen Regionen der Welt ebenfalls seltene Erden gibt. So soll China nicht über 90 Prozent, sondern lediglich 23 Prozent der weltweiten Vorkommen verfügen.

Sogar in Deutschland, in der Nähe von Leipzig, wurden mittlerweile die exotischen Metalle gefunden. Wesentlich größer sollen die Ressourcen in Grönland sein. Nach Ansicht der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sollen die grönländischen Vorkommen an seltenen Erden ausreichen, um den gegenwärtigen Weltbedarf für 150 Jahre zu decken. Mit einer denkbar knappen Mehrheit hob das Parlament in Grönland bereits ein seit Jahrzehnten geltendes Förderverbot für die Ausbeutung bestimmter Bodenschätze auf. Allerdings ist noch unklar, wie Grönland hier vorgehen wird.

Denn immer mehr Technologiekonzerne entwickeln Alternativen und wollen auf die Verwendung dieser Rohstoffe verzichten. „Rückblickend war das Ganze eine absolute Rohstoffblase“, sagte Jon Hykawy, ein Analyst von Stormcrow Capital der US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2015)