Casinos-Eigentümer lehnen Schelling-Angebot ab

(c) Michaela Bruckberger

Der Finanzminister hat über die ÖBIB für 66 Prozent an den Casinos Austria 230 Mio. Euro geboten. Zu wenig, sagen die Anteilseigner. Sie gaben ein Gutachten in Auftrag, in dem der Wert der Casinos neu berechnet wird.

Wien. Es ist wie beim echten Pokerspiel: Man stapelt tief, setzt zuerst einen geringen Betrag, behält eine coole Mine und wartet, was die anderen Mitspieler machen. Erst dann erhöht man den Einsatz. Genauso läuft es bei der Neuordnung der Eigentumsverhältnisse der Casinos Austria (Casag). Nur kurz, nachdem Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) über die Staatsholding ÖBIB den Eignern der verbleibenden 66 Prozent an den Casinos das Übernahmeangebot gelegt hat, kam die Antwort. Die Aktionäre haben signalisiert, dass ihnen Schellings Angebot von 350 Mio. Euro (für den gesamten Konzern, also 230 Mio. Euro für 66 Prozent) zu wenig ist. Die erwartete Preisschlacht hat begonnen.

Schelling müsste also sein Angebot aufbessern, will er die Anteile für die ÖBIB sichern – zumal nun externe Anbieter in das Match einsteigen und verbindliche Angebote legen können. Die warten nur darauf: Peter Goldscheider und seine Investmentfirma Epic hat mit zwei tschechischen Milliardären im Konsortium mehrfach Interesse signalisiert. Und die Novomatic hat mit der Übernahme von acht Prozent an der Casag-Tochter Lotterien keinen Zweifel gelassen, dass sie mehr will. Weitere Interessenten, über die immer wieder spekuliert wurde, sind noch nicht aus ihrer Deckung gekommen.

Dass die Casag-Aktionäre, allen voran die Medial-Beteiligungsgruppe (Raiffeisen, Uniqa, Vienna Insurance, Donau Versicherung, Leipnik-Lundenburger sowie Schelhammer&Schattera) und die MTB Privatstiftung von Maria Theresia Bablik Schellings erstes Angebot ablehnen würden, war absehbar. Bei den Mitgliedern der Medial-Gruppe, die 38,29 Prozent an der Casag hält, habe sich eine „schwere Irritation“ breitgemacht, wurde der „Presse“ signalisiert. Soll heißen: Das Angebot ist viel zu niedrig.

 

Neues Gutachten

Bablik, die ihren knapp 17-prozentigen Anteil angeboten hat, soll ihre Meinung überhaupt geändert haben. Sie wolle unter diesen Umständen gar nicht verkaufen, heißt es im Umfeld der 87-jährigen Aktionärin, die auch im Aufsichtsrat der Casag und deren Tochter Lotterien sitzt. Was Bablik besonders stören dürfte: Schelling will die Casag möglichst günstig komplett unter das Dach der ÖBIB stellen, die schon den Münze-Anteil an der Casag von 33,2 Prozent hält.

Damit soll auch die komplizierte Gesellschafterstruktur bereinigt werden. In einem zweiten Schritt soll der Glücksspielkonzern so teuer wie möglich weiterverkauft werden.

Der Preis, den die ÖBIB geboten hat, liegt noch weit unter dem Durchschnittswert von 407 Mio. Euro, den PWC und Leiter+Leitner im Vorjahr für den Verkauf des Münze-Anteils an die ÖBIB ermittelt haben. Die Medial-Gruppe hat nun ein eigenes Gutachten bei der KPMG in Auftrag gegeben, das demnächst fertig sein soll. Man kann davon ausgehen, dass die Experten in dem Gutachten eine höhere Bewertung erzielen werden.

Vorerst gibt es keine weiteren verbindlichen Angebote. Ursache dafür sei, dass Interessenten noch keinen tiefen Blick in die Bücher der Casinos Austria machen können, heißt es. Ohne diese Due Dilligence sind jedoch Angebote international unüblich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2015)