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Zu wenige Kirchenquartiere? "Es gibt noch Kapazität“

Zu wenige Kirchenquartiere?
Peter Schipka(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Der Bischofskonferenz-Generalsekretär wertet den ÖVP-Vorwurf, in der Asylfrage zu wenig zu tun, als "politisches Hick-Hack“.

Die Presse: Seit Monaten wird über den Zustrom von Flüchtlingen und deren Unterbringung diskutiert. Weshalb ist von der katholischen Kirche wenig zu hören?

Peter Schipka: Nach der letzten Vollversammlung Mitte Juni haben die österreichischen Bischöfe ein sehr deutliches Wort gesprochen.

 

Das ist aber auch schon einige Zeit her.

Die Kirche redet durch ihr Handeln. Alleine in der Grundversorgung betreut die Kirche derzeit 4000 Asylwerber. Das sind um 1000 mehr als im letzten Jahr. Dazu kommt die Diözese Eisenstadt, die jetzt angekündigt hat, die Zahlen der Quartiere zu vervierfachen. Dazu kommt das Stift Admont, das ein Landesschülerheim auf eigene Kosten erworben hat und adaptieren wird, um 70 Menschen, darunter 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen. Dazu kommt Horn, wo vor einer Woche 100 Asylwerber aufgenommen worden sind. Das alles spricht eine deutliche Sprache.

 

Aufrufe von Bischöfen an die Pfarren, Quartiere zur Verfügung zu stellen, gibt es aber kaum.

Diese Aufrufe hat es immer wieder gegeben. Es gibt eine große Hilfsbereitschaft, ich weiß das aus meiner eigenen Pfarre, wo wir derzeit die Aufnahme von Flüchtlinge prüfen, und wo wir schon sehr weit sind. Und es gibt viele Menschen, die schon seit Wochen und Monaten bereit sind, Menschen Deutschkurse zu geben, sie zu Behörden zu begleiten oder auch mit ihnen gemeinsam Feste zu feiern. Man hängt aber nicht alles an die große Glocke.

 

Die katholische Kirche wurden ausgerechnet von der ÖVP, die sich als christlich-soziale versteht, aufgefordert, mehr für Flüchtlinge zu tun. Schmerzt derartiges Friendly fire besonders?

Mir ist so ein Vorwurf völlig unverständlich. Das ist politisches Hick-Hack. Das hilft niemandem, am allerwenigsten jenen Menschen, die Hilfe am allerdringendsten brauchen. Dort, wo es eine gute Kooperation zwischen der Kirche und politischen Entscheidungsträgern gibt, dort ist auch sehr viel möglich. Wir stehen vor einer großen Aufgabe, gemeinsam ist sie aber lösbar ist.

 

Hat die katholische Kirche tatsächlich alle Kapazitäten ausgeschöpft, oder gibt es nicht doch die berühmten leer stehenden Pfarrhöfe?

Manche Pfarrhöfe wurden angeboten, wurden aber als zu klein für die Unterbringung von Flüchtlingen erachtet, andere sind vermietet. Es gibt in jeder Diözese jetzt einen Koordinator, der beauftragt ist, weitere Quartiere zu suchen. Es gibt sicher noch Kapazität. Aber um diese heben zu können, braucht es die Kooperation mit den politischen Entscheidungsträgern in zweifacher Hinsicht: Es braucht sie, um gemeinsam unberechtigte Ängste abzubauen und um rechtliche Hürden, die einem Quartierangebot entgegenstehen, abzubauen. Man soll der Hilfsbereitschaft nicht diese Grenzen setzen, wie das derzeit geschieht.d.n.