Korsika

Schoen gedeckte Tische in einem Restaurant
Schoen gedeckte Tische in einem RestaurantErwin Wodicka - BilderBox.com
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Wenn Ihnen auf Korsika der Koch De Gaulles begegnet, sollten Sie unbedingt bei ihm einkehren.

Korsika ist bekanntlich einer der schönsten Flecken auf der Welt, das Beste von Frankreich und der Toskana fügt sich hier ineinander. Auch die regionale Küche ist traumhaft, beginnend bei den einfachen Dingen bis zu den Spitzen hoher Gastronomie; noch heute, mehr als ein Jahr nach unserer Reise ans Cap Corse, läuft mir beim Gedanken an den Brocciu, diesen feinen Ziegenfrischkäse, den man sich aufs Brot schmiert wie anderswo die Butter, das Wasser im Mund zusammen. Auf unseren Fahrten gerieten wir in den hübschen Weiler Poggio d'Oletta in der Haute Corse, wo ein Küchenzauberer werkt. Gérard Magnan hat während seines Militärdienstes Charles de Gaulle bekocht, später in Paris einen „Michelin“-Stern erworben und dann ein feines Restaurant im Weingut der Familie seiner Frau eröffnet: A Casa di Anghjulu heißt die gute Stube. Wenn der Chef ein bisschen Zeit hat, erzählt er gern von De Gaulle, der Kalbskopf liebte und ihm, dem jungen Rekruten beschied, er brauche nicht ständig vor ihm zu salutieren, sondern bloß morgens „Bonjour“ und abends „Bonsoir“ sagen. Auch von den kambodschanischen Friedensverhandlungen in seinem Pariser Restaurant in den 1980er-Jahren weiß er Amüsantes zu berichten; die Delegationen konnten mit dem standesgemäß blutigen Filet Mignon wenig anfangen, ihr Rindfleisch wollten sie bis zur Schuhsohlenhaftigkeit durchgekocht. Empfehlen möchte ich abschließend Maître Magnans Rindsfilet à la Rossini. Das wird mit einer Gänseleberpastete dekoriert serviert. Die hat einst schon Paul Bocuse mit einem Preis bedacht.

oliver.grimm@diepresse.com

Nächste Woche: Timo Völker

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2015)

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