Schrittweise. Der Schweiß bleibt, der Mief ist weg: Wandern liegt im Trend und entwickelt neue Formen.
Seit nicht mehr rot-weiß karierte Hemden, sondern fesche Goretex-Jacken durchs Unterholz schlüpfen, hat Wandern seine Ehre zurückgewonnen. Aber: Auch Art und Ziel des Wanderns haben sich verändert.
Es gibt Wanderungen, deren wahre Motive gut kaschiert sind: Terroirwandern zum Beispiel. Nicht Kilometerfressen, sondern Fruchtgenuss ist dabei das Ziel. „Terroir erleben“ vermittelt nur auf den ersten Blick, man würde an der Südsteirischen Weinstraße ein großes Territorium durchstreifen. In Wahrheit leitet einen das GPS-Gerät zielsicher zu Morillon und Welschriesling. Hat doch was.
Ähnliches verfolgt der Aromawanderweg durch die Marillengärten der Wachau. Wetten, dass auf den 4,5 Kilometern zwischen Krems und Angern Appetit auf Knödel und Riesling überproportional wachsen? Geradezu pragmatisch nehmen sich die zahlreichen Kräuterwanderungen aus, die man im Salzburger Almsommer unternehmen kann. Der selbstgepflückte Spitzwegerich oder Wiesensalbei erfordert schließlich erst Aufbereitung.
Fan- und Idolwandern
„Komm mit mir“, sagt Hansi Hinterseer, und 10.000 Leute folgen. Ein Star kann selbst träge Massen in Bewegung setzen, denn in der Illusion, seinem Idol nah zu sein, nimmt ein Fan es grundsätzlich in Kauf, in die Fußstapfen vieler anderer zu treten. Der traditionelle Hinterseer-Fan-Wandertag (20. 8.) am Hahnenkamm ist der Warmstart für sein Open-Air-Wochenende. Hinterseer hat nun ein Buch mit 40 Lieblingsrouten herausgebracht, das den Fans Beine machen soll.
Fanwanderungen tendieren zur Völkerwanderung, wobei der Gastanteil kleiner ist als angenommen. Unter die Massen beim Franz-Klammer-Wandertag (26. 10.) in Bad Kleinkirchheim mischen sich auch viele Kärntner. So läuft’s: auf die Kaiserburg hinaufgegondelt, Musik, Ansprache, dann geht’s die Franz-Klammer-Piste hinunter. Man wundert sich, wie steil eine Weltcupabfahrt in den Nockbergen wirklich ist. Ohne Stecken eigentlich nicht zu machen.
Literatur- und Kulturwandern
Abteilung hehre Ziele: Müsste man allen textlichen Fäden folgen, die Autoren durch Österreich gelegt haben – der Bildungswanderer käme zu keinem Ende. Beispielhaft seien zwei Autorenfährten genannt: eine Stadtwanderung, die Klagenfurt aus der Perspektive Ingeborg Bachmanns zeigt. Elf Stationen, die sich zu den „Tagen der deutschsprachigen Literatur“ (24.–28. 6) empfehlen. Meist aber zieht es Textwanderer ja hinaus in den Tann: Im Böhmerwald marschiert man fast auf jedem Waldweg in Stifter’scher Botanik. Dennoch, es gibt den ureigenen Stifter-Wanderweg bei Kollerschlag.
Nichts wie hinaus aus der Großstadt, und sei’s nur ein paar Meter: Am 17. 5. setzt sich die Ö1-Gemeinde in Bewegung, auf den Bisamberg, wo sich die alte Mittelwellensenderanlage befindet; Musik (Attwenger) begleitet den Kulturwandertag.
Halb- und Viertelnacktwandern
Österreich ist nicht die Schweiz, wo Nackte in Bergschuhen die Einheimischen aufregen. Wir haben dafür Barfußwege, etwa in Vorarlberg: Taufrische Routen schlängeln sich durch Moos und Bach bei Bizau. Und in Brand im Brandnertal werden gleich an der Bergstation die Schuhe ausgezogen.