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Miuccia Prada: Die Königin der Mode

Miuccia Prada
(c) AP (LUCA BRUNO)
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Sie gibt erfolgreich die intellektuelle Revolutionärin im Traditionsbetrieb und setzt sich neben ihren männlichen Kollegen wie Karl Lagerfeld oder Giorgio Armani durch. Miuccia Prada wird dieser Tage 60.

Sie gilt als ein Superstar der Mode. Neben ihren männlichen Kollegen Karl Lagerfeld, Giorgio Armani und vielleicht noch Marc Jacobs hat sie es geschafft, dass fast jeder halbwegs informierte Mensch ihren Namen kennt. Neue Wörter wie "Pradaisierung" oder Filmtitel wie "Der Teufel trägt Prada" zeugen von der Popularität der Modeschöpferin, sogar Kunstwerke wie Andreas Gurskys "Prada"-Serie handelten schon von ihren Entwürfen. Das "Time"-Magazin zählte Miuccia Prada vor ein paar Jahren zu den 100 bedeutendsten Menschen der Welt. Dass ihr 60. Geburtstag am Sonntag dennoch kaum Furore macht, liegt vor allem an Miuccia Prada selbst. Rummel um ihre Person schmeckt der Designerin überhaupt nicht. Und so gibt es nur wenige Quellen, die ihr Geburtsdatum überhaupt präzisieren.

Immerhin bestätigt das Modehaus auf Anfrage den 10. Mai als korrekt. Für das Geburtsjahr 1949 muss man sich allerdings auf einschlägige Lexika verlassen.

Textile Etikette: Faltenrock und Lederschuh


Geboren wurde Prada als Sprössling einer traditionsreichen Mailänder Familie, die feinste Lederwaren herstellte. Sie selbst hat einmal erzählt, wie sehr sie sich als Kind pinkfarbene Schuhe wünschte. Doch zu Hause gab es prinzipiell nur braune Klassiker und dazu dunkelblaue Faltenröcke. Unter diesem Diktat erwarb Miuccia allerdings eine derartige Sicherheit in Stilfragen, dass sie später Kleiderregeln getrost über den Haufen werden konnte, ohne an Klasse zu verlieren. Überhaupt hinterfragte Prada gerne Denkmuster. Als junge Frau studierte sie Politikwissenschaften, promovierte und trat der Kommunistischen Partei bei. Danach ging sie als Pantomimin ans Piccolo Teatro. Erst später gab sie dem Willen ihrer Eltern nach und trat in das Unternehmen ein. Und erfand die Taschen- und Kleidermode neu.

Von Nylontaschen und Tapetenkleidern

Anfang der 90er Jahre brachte Miuccia Prada das damals verpönte Nylon in Mode. Die ganze Welt lief plötzlich mit einem Kunststoffrucksack aus Mailand oder zumindest seiner Kopie herum. 1996 lancierte sie sogenannte "Tapetenkleider", die trotz ihrer scheußlichen Muster hinreißend aussahen. Bei Prada passen lilabraune Kittelkaros zu blaugestreiften Strümpfen, Söckchen zu High Heels, und Anzüge tragen Fantasy-Aufdrucke. Doch nie wirkt es geschmacklos. Das heutige Farbempfinden sähe ohne Miuccia Pradas Revolutionierung der Mode anders aus. Seit vielen Jahren gilt sie als Trendsetterin schlechthin. Wenn in der kommenden Saison Frauen in Anglerstiefeln zum schicken Kostüm auftreten, ist auch das Prada zuzuschreiben.Dabei lebt die Königin der Trends kein Schickeria-Dasein. Sie geht selten aus und pflegt stattdessen ihr Familienleben. Sie trifft sich regelmäßig mit einem treuen Kreis von Freundinnen. Und sie ist seit über 20 Jahren verheiratet mit Patrizio Bertelli, Vorstandsvorsitzender der Prada-Gruppe und Motor ihrer Schaffenskraft. Konventionell wirkt die Beziehung der beiden nicht. Ihre manchmal lautstark ausgetragenen Streitigkeiten sind legendär, doch ergänzen sich der Tatmensch und die Intellektuelle perfekt. Neben der Mode widmen sie sich Kunst und Architektur. Die Prada-Geschäfte sind von dieser Leidenschaft beeinflusst. Zusammen mit dem holländischen Star-Architekten Rem Kohlhaas haben Prada und Bertelli einen neuen Ladentyp in purem Ambiente doch mit schrägen futuristischen High-Tech-Elementen erfunden.

Tradition und Moderne

Neues Projekt des Power-Paares ist der ebenfalls mit Kohlhaas entwickelte "Transformer", der Ende April in Seoul eingeweiht wurde. Ein mit Hilfe von Kränen bewegliches Gebilde verwandelt sich aus der Form einer Pyramide heraus in Ausstellungsflächen für Kunst- oder Modeinstallationen. Miuccia Prada, die vielfach Kopierte, wird auch mit diesem Projekt bald Nachahmer finden. Eingeholt hat die nimmermüde Individualistin bisher niemand. Und das wird wohl eine Weile noch so bleiben.

(Ag.)