Das Debüt von Lance Armstrong begeistert die Italiener. Nach Cera und Wachstums-Hormonen werde diesmal besonders genau gesucht, Nachkontrollen von Proben der Rundfahrt aber sollen nicht durchgeführt werden.
Venedig. Angelo Zomegnan sieht am Starttag des 92. Giro d'Italia die Welt durch die rosarote Brille. Nicht nur weil er zum 100. Geburtstag des Giro das Rosa Trikot des Gesamtführenden von Dolce und Gabbana gestalten ließ. Die Wirtschaftskrise sei kein Problem, die Dopingmisere ebenfalls nicht. Seine Organisation versprach – wie schon im Vorjahr –, „alles für einen fairen Wettkampf“ zu tun. Nach Cera und Wachstumshormonen werde diesmal besonders genau gesucht, Nachkontrollen von Proben der Rundfahrt aber sollen nicht durchgeführt werden. Im Nachhinein soll der Sieger, der am 31. Mai nach 3454 Kilometern vor dem Kolosseum in Rom geehrt wird, nicht angepatzt werden. Der wird zwar aller Voraussicht nach nicht Lance Armstrong heißen, der 37-jährige Texaner aber ist in aller Munde. „Der Giro – das ist ein Mythos“, schmeichelte er den Italienern vor dem Start in der Lagunenstadt Venedig (Mannschaftszeitfahren über 20,5 km, 15.45 Uhr/Eurosport) und setzte nach: „Ich wäre enttäuscht, wenn ich keine Etappe gewinnen kann.“
Armstrong, der sechseinhalb Wochen nach seiner Schlüsselbeinoperation sein Debüt bei der Italien-Rundfahrt gibt, ließ aber auch mit einer ganz anderen Geschichte aufhorchen. Nachdem sein kasachischer Rennstall Astana in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist und Gehälter nicht mehr bezahlen kann, dachte der siebenfache Tour-de-France-Gewinner in Italien laut darüber nach, den Rennstall gänzlich zu kaufen. Steigbügelhalter könnte sein langjähriger Begleiter und aktueller Teammanager Johan Bruyneel sein, der Inhaber der ProTour-Lizenz ist.
Noch aber ist es nicht so weit, auch wenn Insider meinen, bereits der Giro könnte die Abschiedsvorstellung des Astana-Teams sein. Levi Leipheimer könnte den Kasachen den Abschied mit einem Sieg versüßen. Harte Konkurrenz erhält der US-Amerikaner vermutlich vom Spanier Carlos Sastre, dem Russen Denis Mentschow und den Italienern Ivan Basso, Damiano Cunego und Danilo Di Luca.
Gastspiel in Tirol
Österreich spielt beim Jubiläums-Giro auch ein Rolle, jene des Gastgebers: Die sechste Etappe rollt am 14. Mai durch Tirol und endet in Mayrhofen im Zillertal (ca. 17 Uhr). Tags darauf wird in Innsbruck (11 Uhr) gestartet, ehe das Feld via Landeck in die Schweiz weiterzieht. Sportlich gesehen ist für Österreich bei Weitem nicht alles rosarot. Weil Christian Pfannberger zunächst das Blaue vom Himmel erzählte (er sei „aus persönlichen Gründen“ von seinem Rennstall Katjuscha zurückgezogen worden), ehe bekannt wurde, dass er neuerlich einen positiven Dopingtest abgegeben hatte (erst im Juni 2006 war seine zweijährige Sperre abgelaufen), ist nur ein Österreicher am Start. Thomas Rohregger geht für das Team Milram ins Rennen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2009)