Das Saisonfinale wird zum packenden Fünfkampf, in dem sich Wolfsburg als Sieger sieht.
MÜNCHEN. „Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, heuer will überhaupt niemand Meister werden.“ So kommentierte Franz Beckenbauer noch vor wenigen Wochen die Lage zur deutschen Fußballnation. Mittlerweile wurden immerhin schon klare Positionen bezogen. Wobei der Rekordmeister aus München schon zurücksteckte. Die Bayern, die neuerdings auf Jupp Heynckes setzen und Jürgen Klinsmann in die Wüste geschickt haben, haben offiziell Titelträume bereits abgeschrieben. Und Rang zwei und die damit verbundene Qualifikation zur Champions League zum neuen Ziel erkoren.
Eine Entscheidung ist auch nach 30 Spieltagen im Titelkampf noch in weiter Ferne. Der VfL Wolfsburg geht als Nummer eins ins Saisonfinale, aber auch Bayern München, Hertha BSC, der VfB Stuttgart und der Hamburger SV sind noch gut im Rennen. Rang eins und fünf trennen lediglich fünf Punkte, das ist in vier Runden leicht zu verspielen bzw. aufzuholen.
Rückkehr nach Stuttgart
Dass es am Ende keinen klaren Sieger gibt, das wäre nicht verwunderlich. Schon sechsmal wurde ein deutscher Meister aufgrund der besseren Tordifferenz gekürt. Zuletzt im Jahr 2000. Der Glückliche hieß damals – erraten – Bayern München. Tränen flossen hingegen bei Bayer Leverkusen.
An diesem Wochenende ist Wolfsburg in Stuttgart („Volltreffer“, ATV live, 15.30 Uhr) zu Gast. Die vergangenen beiden Duelle gewann der VW-Werksklub daheim 4:1 und 4:0. Davor gab es nur einen Sieg in 15 Aufeinandertreffen. Nur gegen die Bayern verloren die Wölfe häufiger (17-mal) als gegen die Schwaben (zwölfmal). Der VfB verlor wiederum nur zwei von elf Heimspielen gegen Wolfsburg. Die letzte Heimniederlage liegt schon über neun Jahre zurück.
„Wir haben es selbst in der Hand“, sagt der 55-jährige Trainer Felix Magath. „Der Blick nach oben ist erlaubt. Wir haben noch zwei Heimspiele und brauchen noch zwei Siege.“
Vor Stuttgart zeigt Magath großen Respekt. „Eine ganz beeindruckende Rückrunde!“, so der ehemalige Happel-Schüler. „Stuttgart hat zu Recht sogar noch die Chance auf die Champions League.“ Für Sentimentalitäten ist aber natürlich kein Platz, auch wenn es für den Trainer die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte wird.
Eine viel leichtere Aufgabe wartet auf Bayern München. Elf Mal gab es das Duell gegen Cottbus in der Bundesliga, und es endete noch nie remis. Der FC Bayern gewann neun dieser Aufeinandertreffen, verlor aber die vergangene Partie in der Lausitz mit 0:2.
Klassiker in Bremen
Die seit zehn Spielen daheim ungeschlagene Hertha aus Berlin empfängt daheim den VfL Bochum. Die Hauptstädter verloren nur zwei von 19 Heimspielen gegen Bochum – zuletzt gab es im April 1991 eine Heimpleite (2:4).
Zum 90. Mal in der Bundesliga heißt es am Sonntag Bremen gegen Hamburg. Der HSV verlor nur eines der vergangenen fünf Pflichtspiele im Weser-Stadion (zwei Siege, zwei Remis), feierte aber in den vergangenen elf Nord-Derbys nur zwei Siege.
Wer am Ende die Meisterschale in Händen halten wird, bleibt abzuwarten. Für alle Kandidaten hat es das Restprogramm (siehe Grafik) noch in sich. Einige Experten rechnen damit, dass die Entscheidung tatsächlich erst am 34. Spieltag in München fällt. Das Duell Bayern gegen Stuttgart ist ein echter Knüller, der letzte Süd-Schlager fand im DFB-Pokal-Achtelfinale statt, als die Mannschaft von Jungtrainer Babbel daheim mit 1:5 verlor. Aber der Cup, so hört man, soll auch in Deutschland eigene Gesetze haben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2009)