Verspätung für Lueger-Garage Bürger stimmen im Juni ab

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Ein neues Gutachten erteilt dem Garagenprojekt unter Auflagen grünes Licht. Sofern der Bezirk überhaupt zustimmt. Baubeginn wäre frühestens im Herbst 2011 statt wie geplant 2010.

Wien. Das Wort „Zukunftsmusik“ haftet der geplanten Tiefgarage unter dem Lueger-Platz schon seit Jahren an. Nun, nach neuerlichen Grabungen (den fünften) und einem weiteren Gutachten, das die Auswirkungen der Garage auf die riesige Platane am Platz untersucht hat, steht fest: Das Projekt verzögert sich um mindestens ein Jahr. Baubeginn wäre frühestens im Herbst 2011 statt wie geplant 2010.

Aber immerhin: Der Gutachter, Boku-Professor Florin Florineth, erteilt dem Bau prinzipiell grünes Licht. Unter Auflagen. Eine davon: Der Asphalt rund um den 80 Jahre alten Baum muss abgetragen und durch wasser- und wurzeldurchlässiges Schüttmaterial ausgetauscht werden, damit die Wurzeln gestärkt werden und der Baum „die Nachteile der Wurzelschnitte (während der Bauarbeiten, Anm.) besser und schneller verkraften kann“, heißt es im Gutachten. Erst nach drei Vegetationsperioden kann gebaut werden. Garagenbetreiber Wolfgang Reichl will mit der „Entsiegelung“ diesen Sommer beginnen. „Die Maßnahmen“, sagt er, „wären sowieso während der Bauzeit gekommen. Jetzt ziehen wir sie eben vor.“

Die nicht unwesentliche Hürde: Die Bezirksbewohner müssen der Garage, die von einer Bürgerinitiative und den Grünen seit Jahren bekämpft wird, erst einmal zustimmen. Am 8. Juni beginnt die Befragung. Ist die Mehrheit dagegen, ist das Projekt gestorben. Die Grünen kündigen an, „massiv gegen die Garage mobil zu machen“, so Bezirksklubchef Rainer Fussenegger. Selbst wenn die Platane laut Gutachten kaum Schaden nehme, „bleibt ein Restrisiko. Außerdem gibt es im Bezirk absolut keinen Bedarf für eine weitere Garage.“

Einfahrt am Stubenring

Vor der Bürgerbefragung lädt Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel die Bewohner zu einem Infoabend (20.5., 18 Uhr, Bezirksvorstehung) über die Baupläne. Die soeben, wie im Gutachten gefordert, überarbeitet wurden. Die auffälligste Änderung: Die Ein- und Ausfahrten, bisher direkt neben dem Café Prückel geplant, wurden quasi ums Eck auf die Nebenfahrbahn des Stubenrings verlegt. Der Lueger-Platz soll neu gestaltet werden und wäre mit Ausnahme der Wollzeile autofrei.

Projektbetreiber Reichl startet ab Montag eine Website (siehe Kasten), auf der er zur Umfrage einlädt und alle Gutachten auflistet. Auch im Prückel kann die Website auf zwei Computern besucht werden.

Auf einen Blick

Die Bezirksbewohner stimmen zwischen 8. und 19. Juni brieflich über die geplante umstrittene Garage unter dem Lueger-Platz ab. Das neue Gutachten und detaillierte Baupläne finden sich ab Montag unter:

www.luegerplatz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2009)

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