„Hochprozentiges“ für Sparer

(c) Die Presse (Michaela Seidler)
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Die Zinssätze für Sparguthaben sind auf ein Rekordtief gefallen. Dennoch können sich Anleger auch jetzt noch möglichst hohe Renditen sichern. Die „Presse“ zeigt die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte auf.

So schnell ändern sich die Zeiten. Vor einem Jahr haben Sparer für täglich fälliges Geld bis zu fünf Prozent Zinsen erhalten. Vergangenen Donnerstag senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins auf 1,0 Prozent. Abzüglich der Kapitalertragsteuer und der Inflationsrate bleibt unterm Strich nicht mehr viel übrig. Die Analysten der Raiffeisen Zentralbank gehen davon aus, dass das Zinsniveau bis 2010 niedrig bleiben wird. Die „Presse“ zeigt, bei wem es auch jetzt halbwegs gute Renditen gibt.


Kleine Institute zahlen mehr: Die höchsten Zinsen für täglich fälliges Geld gibt es in Österreich bei der Porsche Bank, die bislang auf Autofinanzierungen spezialisiert war. Das Institut verspricht allen Neukunden, die bis Ende Juli ein Konto eröffnen, den Zinssatz von drei Prozent bis Ende Jänner 2010 beizubehalten. Mit dem Lockangebot soll heuer ein Einlagenvolumen von 100 Millionen Euro lukriert werden. Die Porsche Bank unterliegt der österreichischen Einlagensicherung, wonach Sparguthaben bis Jahresende zu 100 Prozent gesetzlich garantiert sind. Die Kontoeröffnung ist keine Hexerei. Alle Formulare können auf der Homepage abgerufen werden. Nach der Porsche Bank folgen Denizbank, die Generali Bank, die Kremser Bank, die easybank, ING Diba und Autobank mit einem Zinssatz zwischen 2,0 bis 2,25 Prozent. Da die weitere Zinsentwicklung unklar ist, sind die Banken bei langfristigen Bindefristen vorsichtig. Wer sein Geld ein Jahr lang liegen lässt, bekommt im besten Fall 2,75 Prozent gutgeschrieben. Bei drei Jahren sind 3,47 Prozent der derzeitige Rekord.


Banken im Ausland: In Deutschland gibt es einige Institute (wie die Commerzbank-Tochter Comdirect und CortalConsors), die Neukunden noch Zinsen zwischen 3,0 und 4,0 Prozent zahlen. Doch die Kontoeröffnung ist kompliziert. Wegen der strengen Geldwäschebestimmungen müssen Kunden aus dem Ausland die Legitimation in der deutschen Botschaft oder in einem Konsulat durchführen. Auch bei einem Notar ist die Legitimation möglich. Wer mit seinen Ersparnissen ins Ausland wechselt, sollte unbedingt auf die dortige Einlagensicherung achten.


Anleihen gegen Inflationsschutz:Viele Banken reagieren auf den niedrigen Zinssatz mit Alternativprodukten. Dabei handelt es sich meist um Anleihen mit einer Kapitalgarantie und einem Inflationsschutz – also um relativ sichere Produkte.

Die Erste Bank prescht mit dem „Inflationsgarant“ vor. Bei einer Mindesteinlage von 3000 Euro werden jährlich 2,0 Prozent plus Inflationsrate ausbezahlt. Dieses Produkt ist für jene Anleger interessant, die von einer steigenden Inflationsrate ausgehen. Beispiel: Liegt die jährliche Inflationsrate bei 3,0 Prozent, werden 5,0 Prozent ausgeschüttet. Bei Deflation gibt es weniger Geld. Im schlimmsten Fall (2,0 Prozent Deflation oder mehr) entfällt die Auszahlung. Die Anleihe läuft bis 2014 – dann erhalten Kunden das eingesetzte Kapital zu 100 Prozent zurück.

Die Bank Austria legt morgen, Montag, die „Erfolgsanleihe“ zur Zeichnung auf. Die Laufzeit beträgt vier Jahre, die Zinssätze sind gestaffelt. Im ersten Jahr zahlt die Bank Austria 3,65 Prozent fix. Danach hängt die Ausschüttung vom Sechsmonats-Euribor, einem Zinssatz zu dem sich die Banken untereinander Geld ausleihen, ab. Positiv ist, dass es eine Mindestverzinsung von 2,0 Prozent gibt. Das Kapital wird zu 100 Prozent garantiert.

Wie wird sich die Inflationsrate entwickeln? Aufgrund der schwachen Konsumnachfrage ist für die Analysten der Erste Bank eine hohe Inflation derzeit kein Thema. In den nächsten ein bis zwei Jahren ist eine steigende Inflationsrate allerdings durchaus möglich. Vor allem die massiven Finanzspritzen der Notenbank bergen nach Ansicht der Analysten ein hohes Inflationspotenzial. Auf absehbare Zeit erwartet die Erste Bank eine mittlere einstellige Preissteigerungsrate.

Die Bawag lockt mit einem vierjährigen „Superbenzin-Sparbuch“. Dabei hängt die Verzinsung von der Entwicklung des Benzinpreises ab, wobei der Zinssatz nach oben mit 4,0 Prozent und nach unten mit 1,0 Prozent begrenzt ist.


Unternehmensanleihen: Höhere Renditen sind mit Investmentfonds, die auf Unternehmensanleihen spezialisiert sind, möglich. Derzeit bieten Anleihen von Firmen mit einer guten Bonität eine jährlich Verzinsung von durchschnittlich 5,5 Prozent.

Doch auch das Risiko ist nicht zu unterschätzen. Infolge der Wirtschaftskrise steigt die Gefahr, dass viele Firmen das Geld nicht zurückzahlen können. Sicherheitsbewusste Anleger sollten auf die Bonität der Firmen achten. Bei großen Weltkonzernen wie McDonalds, Coca-Cola oder Nestlé ist ein Konkurs unwahrscheinlich.

Mit Unternehmensanleihenfonds wird das Risiko breit gestreut. Die Erste Bank verspricht beim „Corporate Basket 2013“, der bis Ende Mai gezeichnet werden kann, beispielsweise eine jährliche Mindestverzinsung von rund 4,25 Prozent.


Garantieprodukte: Aufgrund der jüngsten Kursaufschläge an den Börsen denken immer mehr Investoren über einen Kauf von Aktien nach. Doch es ist ungewiss, ob der Aufschwung nachhaltig ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann ein Garantieprodukt kaufen. Die Generali Bank etwa hat den „Quickstart Garant Value“ aufgelegt. Dabei wird das Geld in 20 renommierten Aktien (wie Nestlé, Microsoft und Coca-Cola) angelegt. Im ersten Jahr des bis 2013 laufenden Produkts können sich Kunden über einen fixen Zinssatz von acht Prozent freuen.

Danach hängt die Rendite von der Kursentwicklung der Aktien ab – maximal werden acht Prozent pro Jahr ausgeschüttet. Geht es mit den Börsen bergab, bleibt das Risiko wegen der Kapitalgarantie begrenzt. Bei solchen Produkten ist aber auf den Garantiegeber zu achten. Vor der Finanzkrise waren auch in Österreich viele Garantiescheine von amerikanischen Investmentbanken wie Lehman Brothers erhältlich. Beim Generali-Wertpapier ist die Erste Bank Garantiegeber.

(c) Die Presse / HR

Die Volksbanken haben ebenfalls viele Garantieprodukte im Programm, bei denen die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) für das eingesetzte Kapital geradesteht. Bis 12. Juni kann der „Volksbanken Garantie Spar Fonds“ gezeichnet werden. Das Geld wird breit gestreut (Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien). Allerdings wird eine Mindestbehaltedauer von sechs Jahren empfohlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2009)

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