Kolumne: "Sprechblase". Warum „sichaustauschen“ das neue Reden ist.
Der Austauschhandel ist beliebter als gedacht. Menschen, die etwas zu sagen haben, ergingen schon immer in gepflegtem Meinungsaustausch. Davon profitierten beide. Ganz im Gegensatz dazu, die Meinung gegeigt zu bekommen.
Mittlerweile hat der Austauschhandel einen neuen Geschäftszweig, der auch all jenen offen steht, die keine Meinung haben. Entsprechend wird kaum mehr miteinander gesprochen oder gar diskutiert. Die neue Sprechblase der Kommunikation heißt: „Da muss ich mich noch mit xy austauschen.“ Immerhin: Dieses Austauschen funktioniert noch ganz gut, wenn es um Erfahrungen geht.
Oft wird der Austausch-Sager auch dann bemüht, wenn der Austausch weniger freundlich verläuft, er eine Anordnung oder Rüge zum Inhalt hat. Ja sogar für Beratungsgespräche wird er verwendet: „Da muss ich mich noch mit meinem Berater austauschen.“ Ein schlechter Tausch für den Berater: Er bekommt ein Problem und gibt dafür einen Rat . . .
Übrigens: Wenn eine Kollegin sagt, „ich tausche mich noch mit xy vom Marketing aus“, hat das nichts mit Job Rotation zu tun.
In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter der Ressorts "Management & Karriere" und "Arbeitswelten" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.
michael.koettritsch@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2015)